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PSA-Test nach Aktualisierung weiterhin "tendenziell negativ"

PRESSEMITTEILUNG DES MDS Essen, 30. Juli 2013

Der PSA-Test ist die erste Bewertung des IGeL-Monitors, die aktualisiert wurde. Auch längere Laufzeiten der großen Studien ändern nichts am Gesamtbild: Die Angaben zum Nutzen des PSA-Tests sind nach wie vor widersprüchlich, die Schäden dagegen übereinstimmend deutlich.

Wie gut kann der PSA-Test Todesfälle durch Prostatakrebs verhindern und wie groß sind die Schäden, die dafür in Kauf genommen werden müssen? Die Datenlage zum Nutzen ist widersprüchlich, da manche der gefundenen Studien einen Nutzen erkennen, und andere nicht. Vor kurzem wurden die Ergebnisse der großen, hochwertigen PSA-Studien mit längeren Laufzeiten veröffentlicht. Die Erwartung, dass sich der Nutzen aufgrund der langen Entwicklungszeit des Prostatakarzinoms dann deutlicher zeigen würde, hat sich nicht erfüllt: Nachdem das Team des IGeL-Monitors die aktuellen Veröffentlichungen analysiert hat, sieht es nach wie vor nur Hinweise auf einen geringen Nutzen. Die Datenlage zum Schaden ist weiterhin eindeutig, da die Studien übereinstimmend unnötige Behandlungen nachweisen, die mit erheblichen, aber insgesamt eher seltenen gesundheitlichen Risiken einhergehen.

Man kann also nach wie vor sagen, dass der PSA-Test zwei Effekte hat: Vermutlich wird eine gewisse Anzahl von Männern vor dem Tode durch Prostatakrebs bewahrt, aber sicher werden viele Männer unnötig zu Krebspatienten, die ohne den Test nie von ihrem Krebs erfahren hätten. Diese Männer werden nicht nur mit der erschreckenden Diagnose „Krebs“ konfrontiert, sondern sie müssen auch mit den Folgen von Operation, Bestrahlung und Hormontherapie leben. Etliche von ihnen werden impotent und müssen wegen ihrer Inkontinenz Windeln tragen, obwohl man ihren Krebs gar nicht behandeln hätte müssen.

Der PSA-Test ist eine der am häufigsten angebotenen IGeL. Er soll Prostatakrebs früh erkennen und durch eine rechtzeitige Behandlung den Tod durch Prostatakrebs verhindern helfen. Ein erfolgreicher Früherkennungstest wäre hochwillkommen, denn Prostatakrebs ist mit 12.000 Todesfällen nach Lungenkrebs die zweithäufigste Krebstodesursache der Männer. Da Prostatakrebs vor allem ältere Männer betrifft und zudem langsam wächst, sterben jedoch viele Prostatakrebs-Patienten nicht an ihrem Krebs, sondern an etwas anderem. Auch wenn der PSA-Test in Werbekampagnen sowie von vielen Urologen und Allgemeinärzten als sinnvolle Vorsorgemaßnahme dargestellt wird, gibt es seit Jahren auch in Fachkreisen intensive Diskussionen um Nutzen und Schaden des Tests.

Die Bewertung des PSA-Tests zur Früherkennung von Prostatakrebs ist die erste Bewertung des IGeL-Monitors, die aktualisiert wurde. In Zukunft sollen kontinuierlich weitere Bewertungen auf den neuesten Stand gebracht werden, um so die Versicherten unter www.igel-monitor.de mit dem aktuellsten Wissen versorgen zu können.

Hintergrund:

Unter www.igel-monitor.de erhalten Versicherte wissenschaftlich fundierte Bewertungen zu sogenannten Selbstzahlerleistungen. Entwickelt wurde die nicht-kommerzielle Internetplattform vom Medizinischen Dienst des GKV-Spitzenverbandes (MDS). Der MDS berät den GKV-Spitzenverband in allen medizinischen und pflegerischen Fragen, die diesem qua Gesetz zugewiesen sind. Er koordiniert und fördert die Durchführung der Aufgaben und die Zusammenarbeit der Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) auf Landesebene in medizinischen und organisatorischen Fragen.

Die IGeL „PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs“ ist die erste Leistung, deren Bewertung aktualisiert wurde. Sie ist eine von 31 Leistungen, die im IGeL-Monitor bislang besprochen wurden, 27 Leistungen davon wurden auch bewertet: 0 „positiv“, 3 „tendenziell positiv“, 12 „unklar“, 8 „tendenziell negativ“, 4 „negativ“.

Zur Bewertung des PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs kommen Sie hier.

Pressekontakt:
MDS, Pressestelle,
Christiane Grote, Tel. 0201 8327-115, c.grote@mds-ev.de