Glossar

In diesem Glossar werden Begriffe allgemeinverständlich erklärt, die im Zusammenhang mit der Arbeit und den Aufgaben des IGeL-Monitors genannt werden. Das Glossar erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder rechtliche Verbindlichkeit.

Was bedeutet ...
AHRQ

Die „AHRQ“ ist die „Agency for Healthcare Research and Quality“ (übersetzt „Agentur für Forschung und Qualität im Gesundheitswesen“). Sie ist eine Abteilung des US-Gesundheitsministeriums. Eine ihrer Aufgaben ist es, umfangreiche Übersichtsarbeiten zu Therapien und Früherkennungsmaßnahmen zu erstellen oder durch andere Forschungseinrichtungen erstellen zu lassen. Eine Abteilung der AHQR ist die USPSTF.

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Ärztekammer

Eine Ärztekammer ist die Spitzenorganisation der ärztlichen Selbstverwaltung. Sie vertritt die berufspolitischen Interessen der Ärztinnen und Ärzte in Deutschland. Auf Bundesebene sind die Ärztekammern der Länder in der Bundesärztekammer (BÄK) organisiert. Die BÄK wirkt am gesundheitspolitischen Meinungsbildungsprozess der Gesellschaft mit.

zur Internetseite der Bundesärztekammer

AWMF

AWMF“ bedeutet „Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften“. Die AWMF erstellt und veröffentlicht Leitlinien, die den Stand des Wissens zu einem bestimmten Thema zusammenfassen und in eine Handlungsanleitung für Ärzte umsetzen. Für manche Themen werden die Leitlinien auch für Patienten aufbereitet.

Begründeter Verdacht

Ob eine Untersuchungsleistung von der GKV bezahlt wird oder nicht, hängt in unseren Beispielen häufig davon ab, ob ein begründeter Verdacht auf eine bestimmte Erkrankung vorliegt. Ist dies der Fall, dient die Untersuchung als Kassenleistung dem Ausschluss oder der Bestätigung der Diagnose. Andernfalls verfolgt sie das Ziel der Früherkennung oder Vorsorge und ist als IGeL vom Patienten selbst zu bezahlen.

Ein begründeter Verdacht besteht dann, wenn ein Patient bestimmte für eine Krankheit typische Krankheitszeichen (Symptome) oder Befunde aufweist. Fühlt der Arzt beispielsweise bei der Tastuntersuchung beim Mann harte Knoten im Bereich der Prostata, so besteht ein begründeter Verdacht auf einen Prostatakrebs. Eine PSA-Blutuntersuchung ist in diesem Fall eine Kassenleistung. Keine Kassenleistung ist sie hingegen, wenn Sie die PSA-Bestimmung „nur vorsichtshalber“ oder als Früherkennungstest durchführen lassen wollen. Bei vielen anderen Krankheiten ist es jedoch erheblich schwerer, einen begründeten Verdacht zu beschreiben, weil ihre Krankheitszeichen zu zahlreichen verschiedenen Erkrankungen passen. Wenn sich beispielsweise Ihre Haut gelblich verfärbt, wird der Arzt in der Regel den Verdacht auf eine Gelbsucht, das heißt, eine Leberentzündung haben und Ihre Leberwerte bestimmen. Dann übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Untersuchung. Wenn Sie aber beispielsweise zum Arzt gehen, weil Sie sich Sorgen wegen Ihres Alkoholkonsums machen und deshalb nachfragen, ob der Arzt vielleicht sicherheitshalber Ihre Leberwerte bestimmen könnte, ist die Situation weniger eindeutig. Viele Ärzte nehmen dann einen „begründeten Verdacht“ einfach als gegeben an und machen die Untersuchung auf Kosten der Krankenkasse. Wenn der Arzt Sie aber zum Beispiel nach der genauen Alkoholmenge pro Tag fragt und Sie keine typischen Beschwerden für einen alkoholbedingten Leberschaden haben, kann er auch zu dem Schluss kommen, dass die Bestimmung der Leberwerte medizinisch nicht nötig ist. Wenn Sie die Tests trotzdem wünschen, müssen Sie sie selbst bezahlen.

Daher besteht in vielen Fällen ein mehr oder weniger großer „Graubereich“, innerhalb dessen es der Erfahrung und dem Verantwortungsgefühl jedes einzelnen Arztes obliegt, eine Untersuchung durchzuführen oder zu unterlassen. Problematisch wird es dann, wenn einzelne Ärzte diesen Graubereich nicht nach medizinischen Kriterien, sondern vor allem nach ihren finanziellen Interessen interpretieren. Denn wenn Sie die Leistung privat bezahlen, bekommt der Arzt mehr Geld von Ihnen dafür, als wenn er sie über die Krankenkasse abrechnet. Das liegt an den unterschiedlichen Gebührenordnungen und Abrechnungsregeln für Kassenleistungen und Privatleistungen.

Belege

Unter „Belegen“ für einen Nutzen oder Schaden verstehen wir übereinstimmende Erkenntnisse aus guten Übersichtsarbeiten und aussagekräftigen Studien. Bei weniger sicheren Erkenntnissen sprechen wir von „Hinweisen“.

BfArM

BfArM bedeutet „Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte“. Es entscheidet, ob ein Medikament zugelassen wird. Außerdem soll es die Sicherheit von Arzneimitteln, die Risikoüberwachung von Medizinprodukten sowie die Überwachung des Betäubungsmittel- und Grundstoffverkehrs kontinuierlich verbessern.

zur Internetseite des BfArM

Cochrane Collaboration

Die „Cochrane Collaboration“ ist ein internationales Netzwerk von Wissenschaftlern bzw. Forschergruppen, die in hochwertigen Reviews Nutzen und Schaden von Therapien und Früherkennungsmaßnahmen nach einem international anerkannten, standardisierten Verfahren bewerten.

zur Internetseite der Cochrane Collaboration

Cochrane-Datenbank

Die „Cochrane-Datenbank“, oder „Cochrane Library“, enthält neben den eigenen Cochrane-Reviews weitere Datenbanken wie Studienregister oder Informationen zu HTA-Berichten.

zur Cochrane-Datenbank (cochranelibrary)

Cochrane-Review

Ein „Cochrane-Review“ ist eine systematische Übersichtsarbeit, die nach den Prinzipien der Cochrane Collaboration erstellt wurde und die in der Cochrane-Datenbank aufgeführt ist. Einem Cochrane-Review wird wegen seiner strengen Methodik hohe Aussagekraft zugesprochen.

zur Cochrane-Datenbank (Cochrane Library)

CRD

CRD“ bedeutet „Centre for Reviews and Dissemination“ (übersetzt „Zentrum für Übersichtsarbeiten und Verbreitung“). Das CRD ist eine Einrichtung der britischen Gesundheitsbehörde NHS (National Health Services). Es bespricht und bewertet Übersichtsarbeiten nach einem festgelegten Schema.

zur Internetseite des CRD

EAACI

Die European Academy of Allergy and Clinical Immunology (EAACI) ist eine europäische Immunologen-Vereinigung. Sie hat beispielsweise ein Positionspapier veröffentlicht, in dem sie vor IgG-Tests gegen Nahrungsmittelallergien warnt.

zur Internetseite der EAACI

EbM

EbM“ bedeutet „Evidenzbasierte Medizin“. Nach den Prinzipien der evidenzbasierten Medizin soll medizinisches Handeln immer auf der Basis der besten zur Verfügung stehenden Daten begründet sein.

zur Internetseite des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin (DNEBM)

EBM

EBM ist die Abkürzung für „Einheitlicher Bewertungsmaßstab“. Der EBM ist ein Verzeichnis aus Leistungen und ihren entsprechenden Punktwerten, mit denen Ärzte ihre ambulant erbrachten Leistungen bei den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen können. Der EBM wird vom so genannten Bewertungsausschuss festgelegt, der paritätisch mit Kassen- und Ärztevertretern besetzt ist.

Ergebnisbericht

In unserem Ergebnisbericht dokumentieren wir unsere Recherche zu Wirksamkeit beziehungsweise Treffsicherheit sowie zu Nutzen und Schaden einer IGeL. Wir legen in Tabellenform dar, in welchen Datenbanken wir welche Dokumente gefunden haben und was die einzelnen Dokumente aussagen. Für jede IGeL, die wir bewerten, erstellen wir ein eigenes Protokoll. Die Protokolle sind für jedermann frei zugänglich, richten sich aber überwiegend an Ärzte und andere Fachleute. dokumentieren wir unsere Recherche zu Wirksamkeit beziehungsweise Treffsicherheit sowie zu Nutzen und Schaden einer IGeL. Wir legen in Tabellenform dar, in welchen Datenbanken wir welche Dokumente gefunden haben und was die einzelnen Dokumente aussagen. Für jede IGeL, die wir bewerten, erstellen wir ein eigenes Protokoll. Die Protokolle sind für jedermann frei zugänglich, richten sich aber überwiegend an Ärzte und andere Fachleute.

Evidenzsynthese

In der Evidenzsynthese fassen wir die Ergebnisse des Ergebnisberichts zusammen. Die Evidenzsynthese beinhaltet bereits die Bewertung nach den Standards des IGeL-Monitors. Sie bildet die Grundlage für die Bewertungstexte. Für jede IGeL wird eine eigene Evidenzsynthese (heute: Evidenz kompakt)  erstellt. Diese Dateien sind für jedermann frei zugänglich, richten sich aber überwiegend an Ärzte und andere Fachleute.

Fachgesellschaft

Ärzte sind je nach Spezialisierung in „Fachgesellschaften“ organisiert. Anders als die Verbände oder Genossenschaften, die die Interessen der Ärzte vertreten, bemühen sich die Fachgesellschaften um das bestmögliche und aktuellste medizinische Wissen und geben dieses Fachwissen auf Tagungen oder in Leitlinien an die Kollegen der jeweiligen Fachrichtung sowie an Patienten weiter. Übergeordnete Einrichtungen sind etwa die AWMF.

Fallberichte

Ein „Fallbericht“ ist eine Beschreibung eines einzelnen medizinischen Falls. So eine Beschreibung kann sehr nützlich sein, wenn etwa über einen zweifelsfreien Zusammenhang zwischen einem medizinischen Verfahren und einer schweren Nebenwirkung berichtet wird. Zum Nutzen einer Behandlung erlaubt ein Fallbericht nur in den seltensten Fällen, etwa bei einer Operation, eine Aussage.

Fallserien

Eine „Fallserie“ ist eine Untersuchung an einer größeren Patientengruppe mit einer bestimmten Krankheit. Nachteil von Fallserien ist das Fehlen einer Kontrollgruppe. Eine Aussage zum Nutzen der Behandlungen oder Untersuchungen ist nur selten möglich. Am ehesten lassen sich Aussagen über einen kurzfristigen Schaden beziehungsweise fehlenden Schaden daraus ableiten.

Falsch-positiver Befund

Ein „falsch-positiver Befund“ wird umgangssprachlich auch als „Fehlalarm“ bezeichnet. Ein Fehlalarm ist ein zunächst auffälliger Untersuchungsbefund, der sich bei weiteren Untersuchungen als falsch herausstellt. Der Patient ist also nicht krank.

Fehlalarm

Ein „Fehlalarm“ ist ein zunächst auffälliger Untersuchungsbefund, der sich bei weiteren Untersuchungen als falsch herausstellt. Er wird fachsprachlich auch als „falsch-positiver Befund“ bezeichnet. Der Patient ist also nicht krank.

G-BA

G-BA“ bedeutet „Gemeinsamer Bundesausschuss“. Der G-BA legt unter anderem fest, welche Leistungen eine gesetzliche Krankenkasse erbringen muss. Verfahren, die er ablehnt, darf eine gesetzliche Krankenkasse nicht erbringen. Im G-BA sind Ärzte, Zahn­ärzte, Psycho­the­ra­peuten, Kran­ken­häuser und Kran­ken­kassen vertreten. Geleitet wird der G-BA von einem unparteiischen Vorsitzenden. Zusätzlich wirken Patientenvertreter mit.

zur Internetseite des Gemeinsamen Bundesausschusses

GKV

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ist ein wichtiger Bestandteil des deutschen Sozialversicherungssystems. Alle Arbeitnehmer, die bis zu einer bestimmten Grenze verdienen, müssen sich in ihr versichern.

GKV-Katalog / GKV-Leistungskatalog

Der „GKV-Katalog“ oder GKV-Leistungskatalog umfasst medizinische Leistungen, die die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen müssen. Diese Leistungen werden deshalb auch als „Kassenleistungen“ bezeichnet. Sofern eine Leistung vom G-BA nicht explizit abgelehnt wurde, darf eine gesetzliche Krankenkasse die Kosten jedoch freiwillig übernehmen.

GKV-Spitzenverband

Der „GKV-Spitzenverband“ ist die zentrale Interessenvertretung der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen in Deutschland. Er finanziert den IGeL-Monitor.

zur Internetseite des GKV-Spitzenverbandes

Hinweise

Unter „Hinweisen“ auf einen Nutzen oder Schaden verstehen wir Erkenntnisse aus weniger guten Übersichtsarbeiten und Studien oder uneinheitliche Erkenntnisse aus guten Übersichtsarbeiten und Studien. Hinweise auf einen Schaden sehen wir auch ohne Studien bei allen Vorsorge- und Früherkennungsmaßnahmen sowie bei invasiven Behandlungen. Sind die Erkenntnisse sicherer, sprechen wir von „Belegen“.

IGeL

Unter „IGeL“ verstehen wir alle Leistungen, die nicht zum festgeschriebenen Leistungskatalog der GKV gehören, die eine Kasse also nicht zahlen muss. Zum Leistungskatalog dürfen laut Gesetz nur Maßnahmen gehören, „die ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sind und das Maß des Notwendigen nicht überschreiten“.

Inzidenz

Unter „Inzidenz“ versteht man die Anzahl neu aufgetretener Krankheitsfälle innerhalb einer definierten Population in einem bestimmten Zeitraum.

IQWiG

IQWiG“ steht für „Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen“. Es ist ein unabhängiges wissenschaftliches Institut, das Nutzen und Schaden medizinischer Maßnahmen untersucht. Beauftragt wird das IQWiG vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) oder vom Bundesministerium für Gesundheit.

zur Internetseite des IQWiG

Kassenärztliche Vereinigung

Eine „Kassenärztliche Vereinigung“, kurz KV, ist die politische Interessenvertretung der Ärzte und Psychotherapeuten, die eine Kassenzulassung haben. Als Einrichtung der ärztlichen Selbstverwaltung in der gesetzlichen Krankenversicherung ist sie eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Jedes Bundesland hat eine eigene KV, die auf Bundesebene in der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) organisiert sind.

zur Internetseite der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV)

Kontrollgruppe / Kontrolle

In hochwertigen wissenschaftlichen (klinischen) Studien mit Patienten werden zwei Gruppen von Patienten miteinander verglichen: Die eine Gruppe wird mit dem Verfahren, dessen Effekt ermittelt werden soll, behandelt oder untersucht, die andere dient als Kontrollgruppe, manchmal auch nur „Kontrolle“ genannt. Die Kontrollgruppe bekommt meist ein sogenanntes Placebo, also eine Scheinbehandlung.

Leitlinie

Eine „Leitlinie“ ist eine unverbindliche Handlungsanweisung für Ärzte, zum Teil auch für Patienten. Man unterscheidet je nach wissenschaftlichem Aufwand S1-, S2- und S3-Leitlinien: Eine S1-Leitlinie ist die niedrigste Stufe im Prozess der Leitlinienentwicklung, sie wird von einer Expertengruppe im informellen Konsens erarbeitet. Eine S2-Leitlinie ist die mittlere Stufe, für sie hat eine formale Konsensfindung (S2k) oder eine formale Evidenz-Recherche (S2e) stattgefunden. Eine S3-Leitlinie ist die höchste Stufe, sie wurde mit allen Elementen einer systematischen Entwicklung erstellt (systematische Recherche, Auswahl und Bewertung der Literatur, strukturierte Konsensfindung). Zu den S-Bezeichnungen kann noch das Kürzel +IDA hinzukommen, das für „interdisziplinäre Entwicklung“ steht. Das Erstellen von Leitlinien wird von den Fachgesellschaften organisiert. Leitlinien sind auf den Internetseiten der AWMF frei zugänglich.

Zu den „Methodischen Empfehlungen“ der Fachgesellschaften für die Erarbeitung von Leitlinien

Lifestyle-Arzneimittel

Der Gesetzgeber definiert Lifestyle-Arzneimittel als Medikamente, die eingenommen werden, um vor allem die Lebensqualität zu erhöhen.

MDS

MDS“ ist die Abkürzung für „Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V.“. Seine Aufgabe ist die Beratung des GKV-Spitzenverbandes in allen medizinischen und pflegerischen Fragen und die Koordination der Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK).

zur Internetseite des MDS

Medizinproduktegesetz

Das „Medizinproduktegesetz“ regelt den Verkehr mit Medizinprodukten. Dadurch soll es für Sicherheit, Eignung und Leistung der Medizinprodukte sorgen.

zum Medizinproduktegesetz im Internet

Medline

Medline“ ist eine Datenbank, die nahezu alle veröffentlichten medizinischen Fachartikel führt. Mit umfangreichen Suchoptionen lassen sich in Medline gezielt Themen recherchieren. Zu jedem Artikel wird eine Zusammenfassung geliefert. Die vollständige Arbeit muss dann meistens bei der jeweiligen Fachzeitschrift, in der der Artikel erschienen ist, besorgt werden.

zum Medline-Zugang

MEGO

MEGO“ heißt ein Buch des „IGeL-Erfinders“ Dr. Lothar Krimmel. In dem Buch listet er über 360 IGeL, die er für seriös hält, und deren Kosten auf.

Nebenwirkung

Eine „Nebenwirkung“ ist laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) „ein unerwünschtes Ereignis, bei dem ein Zusammenhang zwischen der aufgetretenen Nebenwirkung und einem oder mehreren angewendeten Arzneimittel/n von einem Angehörigen eines Gesundheitsberufes vermutet wird, Anhaltspunkte, Hinweise oder Argumente vorliegen, die eine Beteiligung des/der Arzneimittel für das Auftreten der Nebenwirkung plausibel erscheinen lassen oder zumindest eine Beteiligung der/des angewendeten Arzneimittel/s daran angenommen wird.“

NICE

Das „NICE“ ist das „National Institute for Health and Clinical Excellence“ (übersetzt Nationalinstitut für Gesundheit und Klinische Exzellenz), eine Einrichtung der britischen Gesundheitsbehörde NHS. Das NICE bewertet medizinische Verfahren hinsichtlich ihres Nutzens und Schadens sowie ihrer Kosten und gibt Empfehlungen, ob und wie die Verfahren angewendet werden sollen.

zur Internetseite des NICE

Nutzen

Mit „Nutzen“ ist gemeint, ob und wie sehr ein Test oder eine Behandlungsmethode Patienten nützt, indem etwa die Lebensqualität der Patienten erhöht oder deren Leben verlängert wird. Wir unterscheiden „geringen“ und „erheblichen“ Nutzen, wobei sowohl Größe als auch Häufigkeit des Nutzens berücksichtigt werden.

Originalartikel / Originalarbeit

Originalartikel“ oder „Originalarbeit“ bezeichnet einen Artikel in einer Fachzeitschrift über eine wissenschaftliche Untersuchung (Studie), in der die Leiter der Untersuchung über Methode, Ergebnisse und Interpretation der Untersuchung berichten.

Originalstudie

Mit „Originalstudie“ ist im Zusammenhang mit der IGeL-Bewertung eine wissenschaftliche Untersuchung an Patienten gemeint, die von den Studienleitern in einer Fachzeitschrift veröffentlicht worden ist. „Originalstudie“ wird dabei sowohl für die Studie selbst als auch für den Fachartikel verwendet, der über die Studie berichtet. Diesen Artikel bezeichnet man auch als Originalartikel oder Originalarbeit.

Placebo

Ein „Placebo“ ist eine Scheinbehandlung. Es kann sich dabei um ein Scheinmedikament, aber auch um eine Scheinoperation oder andere Scheinmaßnahmen handeln. Wird ein Placebo in Studien eingesetzt, soll es der eigentlichen Maßnahme so ähnlich sein, dass ein Proband nicht weiß, welche Maßnahme er bekommt. So lässt sich ermitteln, welchen spezifischen Nutzen und Schaden eine Maßnahme hat, die über den sogenannten Placebo-Effekt hinausgeht. Placebos werden aber auch von Ärzten zur Behandlung von Patienten eingesetzt.

Placebo-Effekt

Als „Placebo-Effekt“ bezeichnet man Nutzen und Schaden einer Maßnahme, die unabhängig von der spezifischen Wirkung auftritt. Ein Placebo-Effekt ist also der Nutzen und Schaden einer Maßnahme im Vergleich zum natürlichen Krankheitsverlauf ganz ohne Maßnahme. Man geht heute davon aus, dass jede Maßnahme auch eine Placebo-Wirkung hat.

RCT

Ein „RCT“ umschreiben wir auch mit „prinzipiell aussagekräftiger Studie“. RCT ist die Abkürzung für „randomised controlled trial“, zu deutsch randomisierte, kontrollierte Studie. Eine klinische Studie untersucht Verfahren oder Medikamente an Patienten. Einem RCT, bei dem die Probanden zufällig auf zwei Gruppen verteilt werden, von denen die eine mit der Maßnahme behandelt wird und die andere als Kontrolle dient, wird prinzipiell die höchste Qualität und damit Aussagekraft zugesprochen. Allerdings kannn auch ein RCT aufgrund methodischer Mängel (wenige Probanden, kurze Nachbeobachtungszeit, unpassene Vergleichsgruppe etc.) faktisch wenig aussagekräftig sein.

Zu den Grundlagen klinischer Studien hat der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) ein Informationspapier veröffentlicht. Sie können es hier downloaden:

„Eine Studie – was ist das? Grundlagen klinischer Studien“

Review

„Review“ lässt sich mit „Übersichtsarbeit“ übersetzen. Man unterscheidet unsystematische Reviews, die mehrere Originalartikel meist über klinische Studien zitieren, und systematische Reviews, die transparent darlegen, wie sie Artikel gesucht haben und wie sie die einzelnen Artikel bewerten. Systematische Reviews können sehr hilfreich sein, weil sie den bestmöglichen Überblick über die Studienlage geben.

S1-Leitlinie

Eine „S1-Leitlinie“ ist die niedrigste Stufe im Prozess der Leitlinienentwicklung. Sie wird von einer Expertengruppe im informellen Konsens erarbeitet.

S2-Leitlinie

Eine „S2-Leitlinie“ ist die mittlere Stufe im Prozess der Leitlinienentwicklung. Für sie hat eine formale Konsensfindung (S2k) oder eine formale Evidenz-Recherche (S2e) stattgefunden.

S3-Leitlinie

Eine „S3-Leitlinie“ ist die höchste Stufe im Prozess der Leitlinienentwicklung. Sie wurde mit allen Elementen einer systematischen Entwicklung erstellt (Systematische Recherche, Auswahl und Bewertung der Literatur, strukturierte Konsensfindung).

Schaden

Mit „Schaden“ ist gemeint, ob und wie sehr ein Test oder eine Behandlungsmethode Patienten schadet, indem etwa die Lebensqualität der Patienten verringert oder deren Leben verkürzt wird. Wir unterscheiden „geringen“ und „erheblichen“ Schaden, wobei dabei sowohl Größe als auch Häufigkeit des Schadens berücksichtigt werden. Bei Vorsorge- und Früherkennungsmaßnahmen sowie bei invasiven Behandlungen gehen wir auch ohne Studien grundsätzlich von „Hinweisen auf einen geringen Schaden“ aus.

Scheinintervention

Eine „Scheinintervention“ lässt sich mit Scheinmaßnahme oder Placebo übersetzen. Sie dient vor allem in Studien dazu, den spezifischen Nutzen und Schaden einer Maßnahme zu ermitteln.

Sozialgesetzbuch V

Im „Sozialgesetzbuch V“ (SGB V) sind die Bestimmungen geregelt, die die gesetzliche Krankenversicherung betreffen, etwa welche Leistungen eine Krankenkasse erbringen muss.

Zum SGB V im Internet

Sterblichkeit

Die Anzahl an Todesfällen in einem bestimmten Zeitraum für eine bestimmte Anzahl an Menschen wird „Sterblichkeit“ oder „Mortalität“ genannt. Davon abgrenzen lässt sich die Rate an Neuerkrankungen, die sogenannte Inzidenz.

Studie

Eine „Studie“ ist eine wissenschaftliche Untersuchung. Eine klinische Studie testet Verfahren oder Medikamente an Patienten. Es gibt verschiedene Phasen und verschiedene Qualitätsstufen von Studien. Die höchste Qualität und damit Aussagekraft wird einer Studie zugesprochen, bei der die Probanden zufällig auf zwei Gruppen verteilt werden, von denen die eine mit der Maßnahme behandelt wird und die andere als Kontrolle dient. Diese Studien nennt man randomisierte kontrollierte Studien oder kurz RCT.

Zu den Grundlagen klinischer Studien hat der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) ein Informationspapier veröffentlicht. Sie können es hier downloaden.

 

"Eine Studie - was ist das? Grundlagen klinischer Studien"

Treffsicherheit

Unter „Treffsicherheit“ verstehen wir die Eigenschaft eines diagnostischen Verfahrens, einen körperlichen Zustand zu erkennen oder die Entwicklung einer Krankheit vorherzusagen. Treffsicherheit ist eine notwendige, aber keine hinreichende Voraussetzung für einen Nutzen oder einen Schaden einer Diagnosemethode. Das heißt: Eine Methode kann zwar treffsicher sein, indem sie etwa Blutwerte korrekt bestimmt, aber dennoch keinen erkennbaren Nutzen haben, wenn sich etwa keine weiteren Handlungsoptionen daraus ergeben.

Überdiagnose

Eine „Überdiagnose“ ist eine richtig erkannte Krankheit, die jedoch nicht auffällig geworden wäre, wenn man nicht nach ihr gesucht hätte. Der Mensch ist zwar objektiv krank, aber er hätte davon nichts gemerkt und er hätte unbeschwert leben können. Dass es Überdiagnosen geben muss, kann man statistisch begründen, man kann aber nicht vorhersagen, welcher konkrete Krankheitsfall eine Überdiagnose darstellt. Eine Überdiagnose bringt meist eine Übertherapie mit sich. Überdiagnose und Übertherapie werden als die größten Schäden von Früherkennungs-Untersuchungen angesehen.

Übersichtsarbeit

Eine „Übersichtsarbeit“ wird auch als „Review“ bezeichnet. Man unterscheidet unsystematische Reviews, die mehrere Originalartikel meist über klinische Studien zitieren, und systematische Reviews, die transparent darlegen, wie sie Artikel gesucht haben und wie sie die einzelnen Artikel bewerten. Systematische Reviews können sehr hilfreich sein, weil sie den bestmöglichen Überblick über die Studienlage geben.

Übertherapie

Eine „Übertherapie“ ist eine unnötige Behandlung aufgrund einer Überdiagnose. Mit Überdiagnose bezeichnet man eine richtig erkannte Krankheit, die jedoch nicht auffällig geworden wäre, wenn man nicht nach ihr gesucht hätte. Der Mensch ist zwar objektiv krank, aber er hätte davon nichts gemerkt und er hätte unbeschwert leben können. Dass es Überdiagnosen geben muss, kann man statistisch begründen, man kann aber nicht vorhersagen, welcher konkrete Krankheitsfall eine Überdiagnose darstellt. Überdiagnose und Übertherapie werden als die größten Schäden von Früherkennungs-Untersuchungen angesehen.

Unerwünschtes Ereignis

Ein "unerwünschtes Ereignis" ist laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) "jedes schädliche Vorkommnis, das einem Patienten nach Verabreichung eines Arzneimittels widerfährt, unabhängig davon, ob ein kausaler Zusammenhang mit dieser Behandlung vermutet worden ist oder ob ein bestimmungsgemäßer Gebrauch vorliegt. …"

USPSTF

Die „USPSTF“ oder „U.S. Preventive Services Task Force“ (übersetzt „US-Arbeitsgruppe zu Vorsorge-Maßnahmen“) bewertet Verfahren zur Vorsorge und Früherkennung nach einem sehr hohen Standard. Die USPSTF ist Teil der US-Amerikanischen „Agency for Healthcare Research and Quality - AHRQ“ (übersetzt „Agentur für Forschung und Qualität im Gesundheitswesen“).

zur Internetseite der USPSTF

Wartelisten-Kontrolle

In hochwertigen wissenschaftlichen Studien mit Patienten werden zwei Gruppen von Patienten miteinander verglichen: Die eine Gruppe wird mit dem Verfahren, dessen Effekt ermittelt werden soll, behandelt oder untersucht, die andere dient als Kontrollgruppe. Die Kontrollgruppe bekommt meist ein sogenanntes Placebo, also eine Scheinintervention. Manchmal wird die Kontrolle gar nicht behandelt oder untersucht, dann nennt man sie auch „Wartelisten-Kontrolle“. Sie dokumentiert den natürlichen Krankheitsverlauf.

WIdO

Das wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) soll mit seinen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten vor allem die AOK-Gemeinschaft darin unterstützen, eine qualitativ hochwertige und wirtschaftliche Gesundheitsversorgung sicherzustellen. Das WIdO arbeitet an Grundlagen, Problemen und der Weiterentwicklung der gesetzlichen Krankenversicherung und der mit ihr zusammenhängenden Gebiete. Es versteht sich in diesem Sinne als Bindeglied zwischen Wissenschaft und Praxis.

zur Internetseite des WIdO

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