Immungloblin G-Bestimmung zur Diagnose einer Nahrungsmittelallergie

Ist der IgG-Test dafür geeignet, Nahrungsmittelallergien zu erkennen?

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IGeL-Steckbrief
Arztgruppe Allgemeinmedizin
Bereich Allergie
Anlass

Allergien; diverse Beschwerden

Verfahren

Messung von Substanzen im Blut

Kosten

Zwischen 8 und 10 Euro, der Immun-Check im Paket zusammen mit „großem Blutbild“ zwischen 40 und 60 Euro

GKV-Leistung

Hauttests oder Blutuntersuchungen bei Allergieverdacht

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Wir bewerten die Bestimmung von Immunglobulin G gegen Nahrungsmittel als „negativ“.

Verträgt jemand bestimmte Nahrungsmittel nicht, kann eine Allergie die Ursache sein. Um Beschwerden abzuklären, die auf eine Nahrungsmittelallergie zurückgehen könnten, wird von manchen Ärzten eine Bestimmung des Immunglobulin G (IgG) angeboten – entweder einzeln oder im Paket mit anderen Verfahren als „Immun-Check“. Einem konkreten Allergie-Verdacht mit anderen Verfahren auf den Grund zu gehen ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse. Ein Test auf Immunglobulin G als Allergie-Check ist dagegen immer eine IGeL.

Ein Nutzen als Allergie-Check ist aus immunbiologischer Sicht nicht zu erwarten, da für Allergien ein anderer Typ von Immunglobulinen verantwortlich ist. Auch aus Studien ergeben sich keine Hinweise auf einen Nutzen, da eine hohe Konzentration an IgG nicht mit Allergie-Symptomen einhergeht. Ein auffälliger Befund, der dem Betroffenen eine vermeintliche Allergie diagnostiziert, die er gar nicht hat, wird ihn unnötig beunruhigen. Meidet ein Patient aufgrund eines auffälligen Immunglobulin-G-Tests bestimmte Nahrungsmittel, kann darunter seine Lebensqualität ebenfalls stark leiden. Darüber hinaus kann der Verzicht im Extremfall sogar zu einer Mangelernährung führen. Eine Suche nach neuen Studien im November 2014 brachte keine neuen Erkenntnisse, so dass es bei der Bewertung bleibt.

Erstellt am: 11.01.2012
Letzte Aktualisierung: 17.12.2014

Bild: cerealphotos/Thinkstock

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IGeL

Die Bestimmung von Immunglobulin G gegen Nahrungsmittel soll klären, ob jemand auf einen Nahrungsbestandteil allergisch reagiert. Die Leistung kann auch im Paket als „Immun-Check“ (auch „Immunstatus Basis-Check“ und Ähnliches) angeboten werden, der Störungen des Immunsystems anzeigen soll. Der Nachweis von Immunglobulin G kann auch eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen sein, wenn beispielsweise eine Infektion mit bestimmten Viren nachgewiesen werden soll. Zur Klärung einer Nahrungsmittelallergie dagegen ist die IgG-Bestimmung immer eine IGeL. Sie kostet in der Regel zwischen 8 und 10 Euro, der Immun-Check im Paket zusammen mit einem „großen Blutbild“ zwischen 40 und 60 Euro. Werden einzelne IgG-Subtypen bestimmt, können die Kosten auch mehrere hundert Euro betragen.

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Gesundheitsproblem

Manche Nahrungsmittel werden nicht von allen Menschen immer gut vertragen. Solche Unverträglichkeiten können äußere und innere Ursachen haben: Als äußere Ursachen kommen etwa Chemikalien oder Gifte von Krankheitserregern infrage. Zu den inneren Ursachen zählen fehlende Verdauungsenzyme, Gallensteine, psychische Störungen oder Überempfindlichkeiten des Immunsystems. Welche konkrete Ursache eine Nahrungsmittel-Unverträglichkeit im Einzelfall hat, versucht ein Arzt mit entsprechenden Tests herauszufinden. Hat er die Ursache gefunden, kann er die Therapie darauf abstimmen.

Ein überempfindliches Immunsystem kann auch eigentlich „harmlose“ Substanzen angreifen. Führen anhaltenden Angriffe zu körperlichen Beschwerden, spricht man von einer Allergie. Echte Allergien gegen Nahrungsmittel sind weit seltener als gemeinhin angenommen wird: Nur jede zehnte vermutete Allergie lässt sich bestätigen. So glaubt ungefähr jeder dritte Menschen, an einer Nahrungsmittelallergie zu leiden, Untersuchungen zeigen jedoch, dass nur jeder dreißigste tatsächlich Allergiker ist. Steht eine Allergie als Ursache fest, bietet sich als Therapie an, den Auslöser zu meiden.

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Methode

Immunglobuline, auch Antikörper genannt, sind Eiweißmoleküle, die andere Substanzen binden können. Damit erfüllen sie wichtige Aufgaben im Immungeschehen, wobei verschiedene Typen von Antikörpern auch verschiedene Aufgaben übernehmen. Diese Aufgabenteilung bringt es letztlich mit sich, dass nur Immunglobuline vom Typ E (IgE) ursächlich mit Allergien zu tun haben, Immunglobuline vom Typ G (IgG) jedoch nicht. Das bedeutet: Kann man hohe Konzentrationen an IgG im Blut nachweisen, heißt das nur, dass der Mensch mit der Substanz, die von diesen IgG gebunden werden, schon einmal Kontakt hatte. Es heißt jedoch nicht, dass der Mensch auch gegen diese Substanz allergisch ist.

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Empfehlungen anderer

Auf Basis eines Positionspapiers der europäischen Immunologenvereinigung EAACI von 2009 wurde eine nicht evidenzbasierte Leitlinie entwickelt, in der thematisiert wird, dass keine deutsche Fachgesellschaft den IgG-Test zur Abklärung einer Nahrungsmittelunverträglichkeit empfiehlt.

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Bewertung

Wirkung

Die Bestimmung von Immunglobulin G gegen Nahrungsmittel wäre dann treffsicher, wenn sie eine Allergie gegen bestimmte Nahrungsmittel erkennen könnte.

Der Immunglobulin-G-Wert lässt sich im Labor präzise bestimmen. Allerdings sagt der Wert nichts über eine Nahrungsmittelallergie aus. So zeigen die zugrunde liegenden Studien, dass hohe Werte sowohl bei Menschen ohne klinische Allergiesymptome ebenso wie bei Menschen mit klinischen Symptomen auftreten.

Da für eine Allergie Antikörper vom Typ IgE und nicht vom Typ IgG verantwortlich sind, ist es auch nicht plausibel, von der Immunglobulin-G-Bestimmung eine Aussage über eine Nahrungsmittelallergie zu erwarten.

Die Bestimmung von Immunglobulin G gegen Nahrungsmittel ist also nicht treffsicher.

Nutzen

Die Bestimmung von Immunglobulin G gegen Nahrungsmittel wäre dann nützlich, wenn dadurch eine Nahrungsmittelallergie diagnostiziert und eine entsprechende Therapie eingeleitet werden könnte, um mögliche Allergie-Symptome der Betroffenen zu verringern.

Da Studien zeigen, dass ein Immunglobulin-G-Test keine Rückschlüsse auf eine Allergie zulässt, kann seine Bestimmung für das Auffinden und Behandeln von Allergien auch keinen Nutzen haben.

Schaden

Die Bestimmung von Immunglobulin G gegen Nahrungsmittel wäre dann schädlich, wenn der Test selbst oder sich daraus ergebende Maßnahmen die Lebensqualität beeinträchtigen oder eine Gesundheitsgefahr darstellen würden.

Wenn eine hohe Konzentration von Immunglobulin G als Zeichen einer Allergie missinterpretiert wird, kann dies zu Beunruhigung und somit zu einer Einschränkung der Lebensqualität der Betroffenen führen. Wenn darüber hinaus das Meiden der vermeintlich ursächlichen Nahrungsmittel empfohlen wird, kann dies vor allem bei mehreren verdächtigen Substanzen sehr aufwendig und mühsam sein und ebenfalls die Lebensqualität einschränken. Unbeschwertes und genussvolles Essen ist dann nicht mehr möglich und es kann im Extremfall sogar zu einer Mangelernährung der Betroffenen kommen. Insgesamt bewerten wir dies als erhebliche Schäden.

Wir konnten keine entsprechenden hochwertigen Studien finden. Daher gehen wir insgesamt nicht von Belegen, sondern von Hinweisen auf einen erheblichen Schaden aus.

Fazit

Wir bewerten die IGeL „Bestimmung von Immunglobulin G gegen Nahrungsmittel als „negativ“: Es gibt keinen Zusammenhang zwischen hohen IgG-Werten und Allergien. Aus immunbiologischer Sicht ist ein Zusammenhang auch nicht plausibel. Da eine IgG-Bestimmung eine Allergie nicht treffsicher anzeigt, kann das Verfahren auch nicht nützlich sein. Wird ein auffälliger IgG-Wert als Anzeichen einer Allergie missdeutet, wird der Patient unnötig beunruhigt. Führt die IgG-Bestimmung zu einer Vermeidung von Nahrungsmitteln, kann dies die Lebensqualität stark beeinträchtigen und zu Mangelerscheinungen führen. Wir werten dies als Hinweise auf einen erheblichen Schaden. Eine Suche nach neuen Studien im November 2014 brachte keine neuen Erkenntnisse, so dass es bei der Bewertung bleibt.

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Erstellt am: 11.01.2012
Letzte Aktualisierung: 17.12.2014

Bild: cerealphotos/Thinkstock

Merkblatt für das Praxisgespräch

Immungloblin G-Bestimmung zur Diagnose einer Nahrungsmittelallergie

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Hinweis: Diese PDF ist nicht barrierefrei

Allgemeine Informationen zu dieser IGeL

  • Jeder dritte Erwachsene glaubt, gegen Lebensmittel allergisch zu sein. Tatsächlich hat nur jeder 50. eine Nahrungsmittelallergie.
  • Bluttests, die allergische Reaktionen auf Nahrungsbestandteile klären sollen. Angeboten als „Immun-“ oder „Allergie-Check“.
  • Kosten: ab etwa zehn Euro, je nach Umfang auch deutlich mehr.
  • Das bezahlt die Krankenkasse (GKV): Hauttests oder Blutuntersuchungen bei einem konkreten Allergieverdacht.

Was sagt der IGeL-Monitor über den Nutzen?

  • Die Tests messen die Konzentration von Immunglobulinen (Antikörper), die als Eiweißmoleküle andere Substanzen im Blut binden.
  • Keine hochwertigen Studien gefunden, die einen Nutzen untersuchen.
  • Eine Allergie beruht auf IgE-Antikörpern. Hohe IgG-Werte haben keine Aussagekraft. Ein Nutzen des Tests ist also biologisch unplausibel.

Was sagt der IGeL-Monitor über den Schaden?

  • Werden Lebensmittel wegen eines Testergebnis mit hohen IgG-Werten vermieden, leidet die Lebensqualität. Mangelernährungen sind möglich.
  • Ausmaß der Schäden nicht bestimmbar, da keine entsprechenden Studien gefunden wurden.

Was meint der IGeL-Monitor?

  • Unsere Bewertung lautet „negativ“, da ein Nutzen unplausibel ist, wir aber Hinweise für erhebliche Schäden sehen.

Woher weiß der IGeL-Monitor das?

  • Analyse der internationalen Forschungsergebnisse durch Wissenschaftler des IGeL-Monitors.
  • Wichtigste Quelle: Positionspapier der Europäischen Akademie für Allergologie und klinische Immunologie von 2008.
  • Detaillierte Informationen zur Analyse unter www.igel-monitor.de.

Was ist der IGeL-Monitor?

  • Wissenschaftler analysieren Nutzen und Schaden von IGeL (auch „Selbstzahlerleistungen“), damit Versicherte sich informieren können.
  • Träger: MDS (Medizinischer Dienst des GKV-Spitzenverbandes)

Erstellt am: 11.01.2012
Letzte Aktualisierung: 17.12.2014

Bild: cerealphotos/Thinkstock

positiv: Unserer Ansicht nach wiegt der Nutzen der IGeL deutlich schwerer als ihr Schaden

tendenziell positiv: Unserer Ansicht nach wiegt der Nutzen der IGeL geringfügig schwerer als ihr Schaden

unklar: Unserer Ansicht nach sind Nutzen und Schaden der IGeL ausgewogen, oder wir finden keine ausreichenden Daten, um Nutzen und Schaden zu beurteilen

tendenziell negativ: Unserer Ansicht nach wiegt der Schaden der IGeL geringfügig schwerer als ihr Nutzen

negativ: Unserer Ansicht nach wiegt der Schaden der IGeL deutlich schwerer als ihr Nutzen

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