Professionelle Zahnreinigung

Was bringt es, sich die Zähne und Zahnzwischenräume säubern, von Belägen befreien, polieren und fluoridieren zu lassen?

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IGeL-Info kompakt

IGeL-Steckbrief
Arztgruppe Zahn-/ Mund- und Kieferheilkunde
Bereich Zähne
Anlass

Vorbeugung

Verfahren

Entfernen von harten und weichen Belägen, Reinigung der Zahnzwischenräume, Polieren, Fluoridieren

Kosten

In der Regel zwischen 35 und 120 Euro pro Sitzung.

GKV-Leistung

Für Erwachsene zweimal jährlich eingehende Untersuchung, jährlich Zahnsteinentfernung, jedes zweite Jahr Früherkennung von Erkrankungen des Zahnhalteapparates

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Wir bewerten die IGeL „professionelle Zahnreinigung“ bei Erwachsenen ohne Parodontitis als „unklar“.

Unter professioneller Zahnreinigung wird ein ganzes Bündel an Maßnahmen verstanden, das Karies und Parodontose verhüten und so die Zähne länger gesund halten soll. Verschiedene Anbieter empfehlen, sich vierteljährlich bis jährlich die Zähne und Zahnzwischenräume säubern, von Belägen befreien, polieren und fluoridieren zu lassen. Dieses privat zu bezahlende Angebot geht über das Angebot der gesetzlichen Krankenkassen hinaus, das diverse Untersuchungen sowie ein jährliches Entfernen von Zahnstein umfasst.

Obwohl die professionelle Zahnreinigung sehr verbreitet ist und von vielen Anbietern und Experten sogar als unverzichtbar eingestuft wird, ist der tatsächliche Nutzen kaum untersucht. Wir fanden nur eine Studie, die uns einigermaßen verlässlich Auskunft darüber geben konnte, was die Maßnahmen am Ende für die Zahngesundheit bringen. Diese Studie zeigte, dass offenbar sogar allein eine jährliche Anleitung zur richtigen Zahnpflege ohne professionelle Zahnreinigung dazu führt, dass das Gebiss besser gepflegt wird und weniger Zahnfleischentzündungen auftreten. Der Effekt einer alleinigen PZR wurde nicht untersucht und lässt sich daher nicht abschließend beurteilen. Ob durch eine alleinige PZR die Zähne länger erhalten bleiben ist daher ebenso wenig belegt wie die Behauptung, dass die professionelle Zahnreinigung einen zusätzlichen Nutzen hat oder gar „unverzichtbar“ ist. Da auf der anderen Seite auch kaum Schäden zu erwarten sind, bewerten wir die professionelle Zahnreinigung als unklar.

Erstellt am: 12.10.2012
Letzte Aktualisierung:

Bild: contrastwerkstatt/Fotolia

IGeL-Info ausführlich

IGeL-Steckbrief
Arztgruppe Zahn-/ Mund- und Kieferheilkunde
Bereich Zähne
Anlass

Vorbeugung

Verfahren

Entfernen von harten und weichen Belägen, Reinigung der Zahnzwischenräume, Polieren, Fluoridieren

Kosten

In der Regel zwischen 35 und 120 Euro pro Sitzung.

GKV-Leistung

Für Erwachsene zweimal jährlich eingehende Untersuchung, jährlich Zahnsteinentfernung, jedes zweite Jahr Früherkennung von Erkrankungen des Zahnhalteapparates

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IGeL

Eine Anmerkung vorneweg: Im Bereich der Zahnmedizin werden Leistungen, die die gesetzliche Krankenkasse nicht bezahlen muss, üblicherweise nicht als „Individuelle Gesundheitsleistungen“ bezeichnet. Sie werden also in der Zahnarztpraxis keiner „IGeL“ genannten Leistung begegnen, obwohl gerade auch Zahnärzte solche Leistungen anbieten. Da wir Informationsbedarf für die Versicherten sehen, wollen wir auch zahnärztliche Selbstzahlerleistungen im IGeL-Monitor beschreiben und bewerten – und der Einfachheit halber auch IGeL nennen.

Professionelle Zahnreinigung ist eine der häufigsten IGeL. Sie soll das Gebiss länger gesund erhalten, indem sie die Zähne vor Karies sowie Zahnfleisch und Halteapparat vor Entzündungen schützt. Unter professioneller Zahnreinigung können eine Vielzahl verschiedener Maßnahmen verstanden werden. Auf jeden Fall entfernt der Zahnarzt oder ein speziell ausgebildeter Mitarbeiter Beläge, reinigt die Zahnzwischenräume und fluoridiert die Zähne. Weitere Leistungen können dazu kommen, zum Beispiel die „Erstellung eines Mundhygienestatus und eingehende Unterweisung“. Zahnärzte empfehlen die Maßnahmen vierteljährlich bis jährlich. Die gesetzlichen Krankenkassen tragen bei Erwachsenen die Kosten für folgende Maßnahmen, die ebenfalls dazu dienen sollen, die Zahngesundheit zu erhalten: zweimal jährlich Untersuchung der Zähne, einmal jährlich Zahnsteinentfernung (harte Beläge), jedes zweite Jahr Untersuchung des Zahnhalteapparates. Eine professionelle Zahnreinigung wird verschieden abgerechnet und kostet je nach Anzahl der Zähne in der Regel zwischen 35 und 120 Euro pro Sitzung.

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Gesundheitsproblem

Die beiden größten Bedrohungen für das Gebiss sind die Erkrankungen des Halteapparates, in dem die Zähne verankert sind (Parodontitis) sowie die Karies.

Eine Parodontitis, allgemein unter dem Begriff „Parodontose“ bekannt, kann sich aus einer Entzündung des Zahnfleischs (Gingivitis) entwickeln. Das Zahnfleisch entzündet sich, wenn dauerhaft Zahnbeläge vorhanden sind, in denen sich Bakterien befinden. Zahnbelag oder Plaque bildet sich innerhalb weniger Stunden neu. Vor allem durch Substanzen im Speichel wandelt sich die Plaque allmählich in einen harten Belag um, den Zahnstein.

Karies wiederum entwickelt sich durch häufigen Konsum süßer Speisen und Getränke dadurch, dass die im Mund vorhandenen Bakterien bei Zuckerzufuhr Säuren abgeben, die den Zahn angreifen. Fluoride, wie sie in Zahnpasten, vom Zahnarzt aufgetragenen Lacken und anderen Produkten enthalten sind, schützen vor Karies.

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Methode

Weiche Beläge lassen sich mit der Zahnbürste, in den Zahnzwischenräumen mit Zahnseide oder speziellen Bürstchen entfernen. Zahnstein – also harte Beläge – dagegen kann nur in der Zahnarztpraxis mit speziellen Instrumenten entfernt werden. Das Angebot der gesetzlichen Krankenkassen zur Zahnsteinentfernung wird von vielen Zahnärzten jedoch als unzureichend angesehen. Deshalb bieten sie als IGeL die professionelle Zahnreinigung an, bei der auch weiche Zahnbeläge und Verfärbungen entfernt und die Zähne fluoridiert werden.

Für die professionelle Zahnreinigung gilt eine eigene Abrechungsziffer in der Gebührenordnung für Zahnärzte mit folgenden Einzelleistungen: Entfernen der Zahnbeläge über und am Zahnfleischsaum, Reinigung der Zahnzwischenräume, Entfernen des Biofilms (der Plaque), Politur und Fluoridierungsmaßnahmen. Die Kosten werden in der Gebührenordnung mit 1,57 Euro pro Zahn beziffert. Dieser Betrag kann bei besonderen Schwierigkeiten mit entsprechenden Steigerungssätzen multipliziert werden. Neben einer Abrechnung pro Zahn sind auch Berechnungen pro Zeit oder nach Pauschalbeträgen üblich. Die professionelle Zahnreinigung muss nicht vom Zahnarzt selbst durchgeführt werden, er kann die Arbeit also auch an einen entsprechend qualifizierten Mitarbeiter delegieren.

Über diese Maßnahmen hinaus lassen sich weitere Leistungen über eigene Ziffern in der Gebührenordnung (als IGeL) abrechnen. So empfiehlt das Mitteilungsblatt der Berliner Zahnärzte (Heft 01, 2012): die Beseitigung von Belägen unterhalb des Zahnfleischsaums, Erstellen des Mundhygienestatus und Unterweisung in der richtigen Zahnpflege, Beseitigung scharfer Zahnkanten, Politur von Füllungen, medikamentöse antibakterielle Lokalbehandlungen und vieles mehr.

Die PZR hat kosmetische Aspekte, denn nach dem Entfernen von Zahnstein und Verfärbungen dürften die Zähne schöner aussehen. Darüber hinaus gehen Zahnarztpraxen auch von einem medizinischen Nutzen aus. So wirbt eine Praxis, die sich auf die professionelle Zahnreinigung spezialisiert hat, damit, dass die Patienten bei jährlich vier Behandlungen das ganze Jahr nicht nur „schöne, saubere, sexy Zähne“, sondern auch „gesundes Zahnfleisch“ hätten. Eine andere Praxis schreibt auf ihrer Homepage: „Es ist erwiesen, dass die professionelle Zahnreinigung einen großen Nutzen hat und damit eine sinnvolle Maßnahme für Ihre Zahngesundheit darstellt.“

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Empfehlungen anderer

Es wurde keine Leitlinie gefunden, die eine professionelle Zahnreinigung empfiehlt.

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Bewertung

Wirkung

Die professionelle Zahnreinigung soll durch eine jährliche, halb- oder vierteljährliche gründliche Entfernung von weichen und harten Belägen, durch Polieren und Fluoridieren die Zähne vor Karies sowie das Zahnfleisch und den Halteapparat vor Entzündungen bewahren und so die Zahngesundheit insgesamt verbessern.

Nutzen

Die professionelle Zahnreinigung wäre nützlich, wenn Zähne mit den Maßnahmen länger erhalten blieben als ohne sie.
Wir haben keine Studien zu den relevanten Fragen gefunden:

  • Trägt die professionelle Zahnreinigung dazu bei, die Zahngesundheit zu erhalten?
  • Trägt die professionelle Zahnreinigung dazu bei, Karies und/oder Entzündungen des Halteapparates zu reduzieren?

Wir haben drei Studien zu weiteren Fragen rund um die professionelle Zahnreinigung gefunden, von denen zwei so gravierende methodische Mängel aufwiesen (zu wenige Probanden, zu kurze Nachbeobachtungszeit), dass wir sie nicht für die Bewertung heranziehen konnten. Übrig blieb eine Studie, aus der wir unsere Bewertung ableiten. Für diese Studie wurden 400 Probanden in vier Gruppen eingeteilt: 1. jährliche Anleitung zu richtiger Zahnpflege, 2. zweimonatliche Anleitung, 3. zweimonatliche Anleitung plus professionelle Zahnreinigung, 4. (Kontrollgruppe) keine Unterstützung. Es gab also keine Probanden, die nur eine professionelle Zahnreinigung bekamen. Die Probanden wurden drei Jahre lang untersucht.

Am Ende wurde festgehalten, ob das Zahnfleisch der Probanden entzündet ist, wie viel weichen Zahnbelag sie haben und wie oft sie die Zahnzwischenräume säubern. Das Ergebnis: Alle Gruppen zeigten Verbesserungen. Die Verbesserungen in den drei Gruppen, die eine Anleitung alleine oder mit professioneller Zahnreinigung bekamen, waren größer als die Verbesserungen in der Kontrollgruppe ohne Unterstützung. Die Effekte in den Gruppen mit Anleitung alleine oder mit zusätzlicher professioneller Zahnreinigung waren gleich groß.

Diese Ergebnisse lassen zwei Schlüsse zu: Der von Anbietern in Aussicht gestellte Nutzen, dass professionelle Zahnreinigung die Zahngesundheit verbessert, lässt sich aufgrund fehlender Studien ebenso wenig belegen wie eine Vermeidung von Karies oder eine Entzündung des Halteapparates.

Eine Studie zeigt lediglich, dass eine jährliche Anleitung zur richtigen Zahnpflege, ob alleine oder in der Gruppe, Menschen offenbar dazu bringt, Zähne und Zahnzwischenräume besser zu pflegen, was sich direkt in einer geringeren Rate an Zahnfleischentzündungen niederschlägt. Indirekt lässt sich folgern, dass sich dann vermutlich auch die Zahngesundheit verbessert. Eine professionelle Zahnreinigung bringt jedoch keinen zusätzlichen Nutzen.

Schaden

Die professionelle Zahnreinigung wäre schädlich, wenn sie Nebenwirkungen hätte und die Lebensqualität der Patienten beeinträchtigen würde.

Keine der Studien untersuchte mögliche Schäden. Bei der professionellen Zahnreinigung (ohne eine Reinigung der tiefen Taschen, die nur bei einer Parodontitis notwendig wäre) handelt es sich um ein Verfahren, bei dem keine direkten Schäden zu erwarten sind. Von der Reinigung der tiefen Zahnfleischtaschen unterhalb des Zahnfleischsaums, dem so genannten subgingivalen Scaling ist jedoch bekannt, dass es dabei zu Blutungen, Schmerzen und Beschädigungen des Zahnschmelzes und des Halteapparates kommen kann. Dieses Verfahren wird bei der üblichen professionellen Zahnreinigung jedoch nicht angewandt.

Insgesamt leiten wir keine Hinweise auf Schäden der professionellen Zahnreinigung ab.

Fazit

Wir bewerten die professionelle Zahnreinigung bei Erwachsenen ohne Parodontitis (Abbau des Zahnhalteapparats) als „unklar“.

Hintergrund ist, dass sich keine aussagekräftige Studie finden ließ, die einen Nutzen der professionellen Zahnreinigung belegt. Gleichzeitig sehen wir aber auch keine Hinweise auf einen Schaden.

Wie es sich mit Nutzen und Schaden der professionellen Zahnreinigung verhält, wenn sie zusätzlich zum Prophylaxe-Angebot der gesetzlichen Kassen wahrgenommen wird, ist ebenso unklar.

Da der IGeL-Monitor alleine nach dem medizinischen Nutzen fragt, ist ein möglicher kosmetischer Nutzen der PZR nicht Gegenstand dieser Bewertung.

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Erstellt am: 12.10.2012
Letzte Aktualisierung:

Bild: contrastwerkstatt/Fotolia

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Professionelle Zahnreinigung

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Hinweis: Diese PDF ist nicht barrierefrei

Allgemeine Informationen zu dieser IGeL

  • Karies und Parodontitis sind sehr verbreitet. Ursache sind Keime, deren Wachstum durch Ernährung und Mundhygiene beeinflusst werden.
  • Bei der Zahnreinigung werden Beläge entfernt, Zahnzwischenräume und Zahnfleischtaschen gereinigt, Zähne poliert und fluoridiert.
  • Kosten: je nach Aufwand in der Regel zwischen 70 und 130 Euro.
  • Das bezahlen die Krankenkassen (GKV): eine eingehende Untersuchung zweimal pro Jahr und Zahnsteinentfernung einmal pro Jahr sowie eine Parodontitis-Früherkennung alle zwei Jahre.

Was sagt der IGeL-Monitor über den Nutzen?

  • Ziel ist es, Beläge vor allem an schwer zugänglichen Stellen zu entfernen und so die Zähne länger gesund zu halten.
  • Nur methodisch schwache Studien ergeben, dass die Zahnreinigung die Zahngesundheit bei ansonsten guter Pflege weiter verbessert.
  • Gute Studien zeigen das nicht. Also keine Hinweise auf einen Nutzen.

Was sagt der IGeL-Monitor über den Schaden?

  • Keine Studie berichtet über Schäden. Sie sind auch nicht zu erwarten,solange nicht auch die Zahnfleischtaschen gesäubert werden.
  • Deshalb sehen wir keine Hinweise auf einen Schaden.

Was meint der IGeL-Monitor?

  • Unsere Bewertung für Patienten ohne Parodontitis lautet „unklar“, weilwir weder einen Nutzen, noch einen Schaden erkennen können.

Woher weiß der IGeL-Monitor das?

  • Analyse der internationalen Forschungsergebnisse durch Wissenschaftler des IGeL-Monitors.
  • Wichtigste Quelle: Studie von 2007 (Hugoson et al.).
  • Detaillierte Informationen zur Analyse unter www.igel-monitor.de.

Was ist der IGeL-Monitor?

  • Wissenschaftler analysieren Nutzen und Schaden von IGeL (auch „Selbstzahlerleistungen“), damit Versicherte sich informieren können.
  • Träger: MDS (Medizinischer Dienst des GKV-Spitzenverbandes)

Erstellt am: 12.10.2012
Letzte Aktualisierung:

Bild: contrastwerkstatt/Fotolia

positiv: Unserer Ansicht nach wiegt der Nutzen der IGeL deutlich schwerer als ihr Schaden

tendenziell positiv: Unserer Ansicht nach wiegt der Nutzen der IGeL geringfügig schwerer als ihr Schaden

unklar: Unserer Ansicht nach sind Nutzen und Schaden der IGeL ausgewogen, oder wir finden keine ausreichenden Daten, um Nutzen und Schaden zu beurteilen

tendenziell negativ: Unserer Ansicht nach wiegt der Schaden der IGeL geringfügig schwerer als ihr Nutzen

negativ: Unserer Ansicht nach wiegt der Schaden der IGeL deutlich schwerer als ihr Nutzen

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