Kein Zusatznutzen bei Laserbehandlung frühkindlicher Blutschwämmchen

PRESSEMITTEILUNG DES MEDIZINISCHEN DIENSTES BUND Essen, 2. Juni 2022

Das wissenschaftliche Team des IGeL-Monitors hat die IGeL „Farbstofflaserbehandlung von unkomplizierten, frühkindlichen Blutschwämmchen“ nach erster Bewertung 2015 erneut mit „tendenziell negativ“ bewertet. Meist bilden sich unkomplizierte Blutschwämmchen von selbst zurück, eine Laserbehandlung bringt keinen zusätzlichen Nutzen , kann aber der betroffenen Hautregion schaden.

Eine Farbstofflaserbehandlung von unkomplizierten Blutschwämmchen beim Säugling wäre nützlich, wenn sie sich, verglichen mit einer Nicht-Behandlung, schneller und vollständig zurückbilden würden. Berücksichtigt wurden alle Studien , die die Behandlung mit dem Farbstofflaser explizit mit einer Beobachtung ohne Behandlung verglichen haben. Seit der ersten Bewertung dieser IGeL im April 2015 sind – auch in den aktualisierten Reviews – keine neuen relevanten Ergebnisse hinzugekommen. Was die Rückbildung eines unkomplizierten Blutschwämmchens betrifft, zeigt die Behandlung mit dem Farbstofflaser keinen zusätzlichen Nutzen gegenüber einer Nicht-Behandlung. Sie hatte zwar den Effekt, dass die Rötung des Hämangioms etwas stärker zurückging als bei nichtbehandelten Kindern. Insgesamt lässt sich jedoch anhand der Ergebnisse kein eindeutiger Vorteil der Farbstofflaserbehandlung gegenüber der kontrollierten Beobachtung ableiten.

Allerdings zeigen die zurate gezogenen Studien , dass bei den mit Farbstofflaser behandelten Kindern mehr Schäden auftraten: Bei über einem Viertel der behandelten Kinder war die Haut an der behandelten Stelle stärker ausgedünnt, bei den Nichtbehandelten waren es unter zehn Prozent. Und bei knapp jedem zweiten behandelten Kind war die Haut heller als die Umgebungshaut, bei den Nichtbehandelten nur bei jedem sechsten Kind.

Die Behandlung komplizierter Blutschwämmchen, die die Entwicklung und die Gesundheit des Säuglings beeinträchtigen können, ist eine Kassenleistung. Hier hat sich gegenüber der Lasertherapie eine medikamentöse Behandlung mit dem Beta-Blocker Propranolol als Therapie der Wahl durchgesetzt. Das empfehlen auch medizinische Leitlinien.

Blutschwämmchen (Hämangiome) sind gutartige Veränderungen der kleinen Blutgefäße der Haut. Bei etwa vier bis zehn Prozent der Neugeborenen, bei Frühgeborenen etwas öfter, bei Mädchen dreimal so häufig wie bei Jungen, bilden sie sich in den ersten Tagen oder Wochen nach der Geburt. Typischerweise wachsen sie im ersten Jahr und bilden sich danach in der Regel von selbst wieder langsam zurück. Bei über der Hälfte der betroffenen Kinder bildet sich das Hämangiom bis zum vierten Lebensjahr wieder vollständig zurück, bei 90 Prozent der Kinder bis zum neunten Lebensjahr.

Zur Bewertung der IGeL „Farbstofflaserbehandlung von unkomplizierten, frühkindlichen Blutschwämmchen“ im IGeL-Monitor

Hintergrund:

Unter www.igel-monitor.de erhalten Versicherte evidenzbasierte Bewertungen zu sogenannten Selbstzahlerleistungen. Der IGeL-Monitor wird vom Medizinischen Dienst Bund betrieben. Träger sind die 15 Medizinischen Dienste in den Ländern. Der Medizinische Dienst Bund koordiniert die fachliche Arbeit, um die Begutachtung und Beratung nach bundesweit einheitlichen Kriterien sicherzustellen und vertritt die Interessen der Medizinischen Dienste auf Bundesebene. Der Medizinische Dienst Bund wurde zum 1. Januar 2022 als Rechtsnachfolger des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. ( MDS ) errichtet. Der MDS hatte den IGeL-Monitor initiiert und 2012 ins Leben gerufen.

Die Bewertung der IGeL „Farbstofflaserbehandlung von unkomplizierten, frühkindlichen Blutschwämmchen“ ist eine Aktualisierung der Erstbewertung von 2015. Insgesamt hat der IGeL-Monitor 55 Leistung wie folgt bewertet:

  • positiv 0
  • tendenziell positiv 2
  • unklar 21
  • tendenziell negativ 25
  • negativ 4
  • Bewertungen ohne Fazit 3

Fünf weitere IGeL wurden nicht bewertet, sondern nur besprochen (z.B. Reise-Impfungen, Atteste oder Sportchecks). Die IGeL-Bewertungen werden fortlaufend erneuert und aktualisiert.

Pressekontakt:

Andreas Lange, Freier Journalist
Redakteur IGeL-Monitor
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