Blutegel-IGeL bei Kniearthrose ohne Nutzen

PRESSEMITTEILUNG DES MDS
Essen, 23. Oktober 2013

Manche ekeln sich, andere schwören darauf: Blutegel sollen Kniebeschwerden lindern. Studien bestätigen nicht, dass die Blutsauger wirklich nützlich sind.

Das Kniegelenk ist eines der am meisten beanspruchten Gelenke des Menschen. Kein Wunder also, dass sich der Knorpel im Knie besonders häufig abnutzt. Bei Menschen mittleren Alters ist diese sogenannte Kniearthrose oder Kniegelenksarthrose bei jedem zehnten, bei Menschen hohen Alters bei jedem zweiten nachweisbar. Ist der Knorpel geschädigt, kann das zu Schmerzen, Unbeweglichkeit und anderen Beschwerden führen. Das große Problem dabei: Knorpelgewebe regeneriert sich nicht selbst. Entsprechend schwierig ist die Behandlung.

Zusätzlich zu den Maßnahmen, die die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen, bieten manche Ärzte und Heilpraktiker weitere Maßnahmen wie die Blutegeltherapie an. Dafür werden mehrere Blutegel auf das Knie gesetzt. Während die Tiere trinken, dicken sie das Blut ein, so dass sie eine vielfache Menge ihres späteren Volumens aufnehmen können. Eine heilende Wirkung wird sowohl den Substanzen im Speichel der Tiere sowie dem Blutverlust zugeschrieben. Eine Behandlung kostet in der Regel pro Sitzung zwischen 19 und 44 Euro, hinzu kommen die Kosten für die Blutegel (meist 4-6 Egel). Die Therapie kann nach einigen Wochen wiederholt werden. Aber lohnt sich der Aufwand auch? Was ist dran an der überlieferten Heilkraft der Blutmahlzeit? Hat nicht nur der Egel, sondern auch der Mensch etwas davon?

Um die Frage zu beantworten, hat das Wissenschaftlerteam des IGeL-Monitors die Studienlage analysiert. Es fanden sich zwei Studien, die für eine Bewertung geeignet waren. Die eine Studie verglich die Blutegeltherapie mit einem Schmerzmittel, die andere verglich sie mit einer Scheinbehandlung. Das Ergebnis: In beiden Studien schnitt die Blutegeltherapie insgesamt etwas besser ab als die Vergleichstherapien, das heißt, die Schmerzen ließen stärker nach und die Beweglichkeit nahm deutlicher zu. Eine gründliche Betrachtung der Studien lässt das Ergebnis jedoch in einem ungünstigeren Licht erscheinen: Zum einen ging es selbst den Patienten mit einer Scheinbehandlung besser als vorher. Zum anderen hatten die Studien diverse methodische Schwächen, so dass nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Überlegenheit der Blutegeltherapie in Wirklichkeit nur ein Placeboeffekt ist. Am Ende sah das Team diese Einwände als so gravierend an, dass es keine Hinweise auf einen Nutzen erkennen konnte. Wesentlich eindeutiger beschrieben die Studien dagegen leichte Schäden der Blutegeltherapie wie häufige Hautreizungen und seltene leichte Blutungen. Wird die Therapie nicht sachgerecht ausgeführt, kann eine Infektion auftreten. Insgesamt fällt die Bewertung deshalb „tendenziell negativ“ aus.

Auch die Egel haben letztlich keinen dauerhaften Nutzen von ihrer Blutmahlzeit: Sie gelten als zulassungspflichtiges Arzneimittel und dürfen aus hygienischen Gründen nur einmal in ihrem Leben an einem Menschen trinken. Anschließend werden sie entsorgt.


Hintergrund
:
Unter www.igel-monitor.de erhalten Versicherte wissenschaftlich fundierte Bewertungen zu sogenannten Selbstzahlerleistungen. Entwickelt wurde die nicht-kommerzielle Internetplattform vom Medizinischen Dienst des GKV-Spitzenverbandes (MDS). Der MDS berät den GKV-Spitzenverband in allen medizinischen und pflegerischen Fragen, die diesem qua Gesetz zugewiesen sind. Er koordiniert und fördert die Durchführung der Aufgaben und die Zusammenarbeit der Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) auf Landesebene in medizinischen und organisatorischen Fragen.

Die IGeL „Blutegeltherapie bei Kniearthrose“ ist die 32. Leistung, die im IGeL-Monitor bislang besprochen wurden, 28 Leistungen davon wurden auch bewertet:

  •  „positiv“ 0
  • „tendenziell positiv“ 3
  • „unklar“12
  • „tendenziell negativ“ 9
  • „negativ“ 4

Zur Bewertung der Blutegeltherapie bei Kniearthrose im IGeL-Monitor.


Pressekontakt:

IGeL-Monitor
Dr. Christian Weymayr
Tel.: 01577 6811061
presse@igel-monitor.de

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