Hochtontherapie mit „unklar“ bewertet

PRESSEMITTEILUNG DES MDS
Essen, 06. Dezember 2012

Elektrische Impulse haben in der Medizin eine lange Tradition. Zu diesen Verfahren zählt auch die heute gebräuchliche Hochtontherapie. Die wenigen Studiendaten weisen weder auf Nutzen noch Schaden hin.

Vor gut 200 Jahren war die Medizin von der Entdeckung des italienischen Forschers Luigi Galvani im wahrsten Sinne des Wortes „elektrisiert“: Galvani hatte zufällig entdeckt, dass Muskelbewegungen etwas mit Elektrizität zu tun haben. Seitdem wird versucht, elektrische Impulse für Heilzwecke zu nutzen.

Eines der Verfahren, das heute Verwendung findet, ist die Hochtontherapie. Dabei sollen elektrische Impulse Energie in den Körper einschleusen, den Stoffwechsel normalisieren und vieles mehr. Entsprechend vielfältig sind die Anwendungsgebiete: Sie reichen von Gelenkabnutzung und offenen Wunden, über seelische und körperliche Erschöpfung und Kopfschmerzen bis hin zu Diabetes und Durchblutungsstörungen der Arme und Beine.

Die Hochtontherapie ist immer eine IGeL, eine einmalige Behandlung kostet zwischen 10 und 22 Euro. So weitgehend die Versprechen verschiedener Anwender sind, so wenig können sich diese Versprechen jedoch auf belastbare Untersuchungen stützen. Die Wissenschaftler des IGeL-Monitors fanden letztlich nur zwei Studien, die sie für ihre Bewertung heranziehen konnten. Eine Studie untersuchte Patienten mit diabetischer Polyneuropathie, einer Nervenschädigung in den Gliedmaßen, die andere Studie Patienten mit einer Durchblutungsstörung (periphere arterielle Verschlusskrankheit).

Die Ergebnisse der beiden Studien sind aber nach Ansicht der Wissenschaftler des IGeL-Monitors unter anderem wegen der kurzen Dauer der Studien und der geringen Probandenzahl nicht aussagekräftig genug, um tatsächlich Hinweise auf einen Nutzen geben zu können. Da in den Studien auch über keine nennenswerten Schäden berichtet wurde, wird die IGeL Hochtontherapie als „unklar“ bewertet. „Unklar“ ist die mittlere von fünf Bewertungskategorien.


Hintergrund:

Unter www.igel-monitor.de erhalten Versicherte wissenschaftlich fundierte Bewertungen zu sogenannten Selbstzahlerleistungen. Entwickelt wurde die nicht-kommerzielle Internetplattform vom Medizinischen Dienst des GKV-Spitzenverbandes (MDS). Der MDS berät den GKV-Spitzenverband in allen medizinischen und pflegerischen Fragen, die diesem qua Gesetz zugewiesen sind. Er koordiniert und fördert die Durchführung der Aufgaben und die Zusammenarbeit der Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) auf Landesebene in medizinischen und organisatorischen Fragen.

Die IGeL „Hochtontherapie“ ist die 28. Leistung, die im IGeL-Monitor bislang besprochen wurde, 24 Leistungen davon wurden auch bewertet:

  • „positiv“ 0
  • „tendenziell positiv“ 3
  • „unklar“ 9
  • „tendenziell negativ“ 8
  • „negativ“ 4

Zur Bewertung der Hochtontherapie im IGeL-Monitor


Pressekontakt:

IGeL-Monitor
Dr. Christian Weymayr
Tel.: 01577 6811061
presse@igel-monitor.de

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