Trüben IGeL-Angebote das Arztbild?

Essen, 07. August 2012

Eine Befragung der Bertelsmann-Stiftung zeigt zum einen, dass nur ein Drittel sehr hohes Vertrauen zu Ärztinnen und Ärzten hat, und zum anderen, dass 50 % der Befragten IGeL-Angebote größtenteils für überflüssig halten.

Umfragen des Instituts Allensbach kommen regelmäßig zu dem Schluss, dass Ärztinnen und Ärzte zu der Berufsgruppe gehören, die das höchste Ansehen in der Bevölkerung genießen. Anders der Gesundheitsmonitor der Bertelsmann-Stiftung. In seiner aktuellen Befragung von rund 1500 Menschen in Deutschland rangiert die ärztliche Fachgruppe im Ansehen bei der Bevölkerung  hinter Feuerwehrleuten, Hebammen, Krankenpflegepersonal und Pilotinnen und Piloten, allerdings  vor Apothekerinnen und Apothekern, Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten oder gar Menschen aus der Politik. Nur 34 Prozent der Befragten geben an, „sehr hohes Vertrauen“ in Ärztinnen und Ärzte zu haben. Von einer regelrechten Vertrauenskrise zu sprechen, wäre jedoch verfehlt, denn nimmt man auch die Bewertung „eher hohes Vertrauen“ hinzu, sind es 91 Prozent.

In derselben Umfrage wurden auch Fragen zu Individuellen Gesundheitsleistungen – IGeL – gestellt. 44 Prozent der Befragten halten IGeL medizinisch größtenteils für überflüssig. Nahezu ebenso viele, 41 Prozent, glauben, dass Ärztinnen und Ärzte damit in erster Linie Geld verdienen wollen und es ihnen dabei nicht um Gesundheit geht. Und 45 Prozent finden, dass sich das ärztliche Vertrauensverhältnis durch das Anbieten von IGeL verschlechtert.

Was folgt aus diesen beiden Befunden? Besteht zwischen Image und Anbieten von IGeL ein Zusammenhang? Die Autorinnen und Autoren der Studie geben zu bedenken, dass die Ergebnisse zwar keine Kausalbeziehung belegen, aber sehr wohl zeigen, dass eine skeptische Haltung gegenüber IGeL-Angeboten auch mit einer skeptischen Haltung gegenüber der ärtzlichen Berufsgruppe einhergeht. Ihr Fazit: „Das ärztliche Image ist kein ehernes und unbeeinflussbares Stereotyp.“ Die Analyse habe gezeigt, „dass dieses Image sehr stark beeinflussbar ist durch ärztliches Verhalten und Versorgungserfahrungen der Patientinnen und Patienten in der Sprechstunde“.

Die Statements von ärztlichen Interessenvertretungen zu den IGeL und anderen Themen stimmen die Autorinnen und Autoren der Bertelsmann-Stiftung für die Zukunft jedoch wenig optimistisch: „Von Seiten ärztlicher Interessenvertretung, so wird deutlich, sind in absehbarer Zeit kaum Initiativen zu erwarten, die eine nachhaltige Veränderung des Staus quo bewirken könnten. Das ärztliche Image wird weiter leiden.“

Immerhin hat die Politik Handlungsbedarf erkannt. So soll das geplante Patientenrechtegesetz Ärztinnen und Ärzte dazu verpflichten, „Patientinnen und Patienten schriftlich und konkret darüber zu informieren, wenn sie selbst für Behandlungskosten aufkommen müssen“, wie es in einer Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine kleine Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen heißt (Ärzteblatt, 26. Juli 2012). Damit wird allerdings nur verbindlich festgeschrieben, was ohnehin längst von ärztlicher Seite gefordert wird. Darüber hinaus werde es jedoch „keine zusätzliche Protokollpflicht geben, Nutzen und Risiken angebotener IGeL aufzulisten“. Wie der Ärztinnen und Ärzte aufklären, soll ihnen also weiterhin überlassen bleiben. Dazu meint Dr. Monika Lelgemann, die Leiterin des IGeL-Monitors: „Das unterstreicht einmal mehr sowohl die Notwendigkeit von Angeboten wie dem IGeL-Monitor als auch die Forderung des GKV-Spitzenverbandes, Patientinnen und Patienten für IGeL-Angebote eine 24-Stunden Bedenkzeit einzuräumen.“


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IGeL-Monitor
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