Ultraschall der Brust mit „unklar“ bewertet

PRESSEMITTEILUNG DES MDS
Essen, 20. März 2013

Trotz hohem Niveau des Mammographie-Programms zur Brustkrebs-Früherkennung sterben jährlich 17.000 Frauen an Brustkrebs. Ob zusätzliche Ultraschall-Untersuchungen die Situation verbessern, ist unklar.

Der Ultraschall der Brust gehört in vielen Frauenarztpraxen zum Standardangebot. Er ist eine der am häufigsten angebotenen und wahrgenommenen Individuellen Gesundheitsleistungen, kurz IGeL. Frauenärztinnen und -ärzte stellen ihren Patientinnen in Aussicht, dass sie mit der Untersuchung ihr Risiko, an Brustkrebs zu sterben, verringern können. Ob dieses Versprechen gerechtfertigt ist, können nur große, aussagekräftige Studien beantworten. Solche Studien fehlen bislang. „Für eine so häufig angebotene Leistung, die die Frauen aus eigener Tasche zahlen müssen, ist dies eine skandalöse Situation“, sagt Monika Lelgemann, Leiterin des IGeL-Monitors.

In Deutschland wurde ab 2002 schrittweise ein organisiertes Screeningprogramm zur Brustkrebs-Früherkennung mit zweijährlichen Mammographien für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren eingeführt. Seitdem wird immer wieder auch in der Ärzteschaft kontrovers über die Bilanz von Nutzen und Schaden der Mammographie diskutiert. Neben der Mammographie haben Frauen bereits ab dem Alter von 30 einen Anspruch auf ein jährliches Abtasten der Brust durch die Ärztin bzw. den Arzt. Für dieses Abtasten ist jedoch nicht belegt, dass es Tumore in ausreichend frühen Stadien findet.

In dieser unbefriedigenden Situation, in der ein Großteil der Todesfälle durch Brustkrebs nicht verhindert werden kann, ist es nur zu verständlich, dass viele Frauen bereit sind, für ein Mehr an Sicherheit einen eigenen finanziellen Beitrag zu leisten. Hierfür bietet sich der Ultraschall der Brust an, der keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen ist. Da die Mammographie bei dichtem Brustgewebe wenig aussagekräftige Befunde liefert, erhofft man sich von der Ultraschalluntersuchung gerade bei diesen Frauen bessere Ergebnisse. Die Ultraschallgeräte wurden in den vergangenen Jahrzehnten technisch enorm weiter entwickelt.

Es ist deshalb eine der drängendsten Fragen des IGeL-Marktes, ob eine Ultraschalluntersuchung Frauen vor dem Tod durch Brustkrebs bewahren kann. In seiner aktuellen Bewertung geht der IGeL-Monitor dieser Frage nach. Die Bewertung gilt dabei für alle Frauen unabhängig von der Dichte ihres Brustgewebes. Das Ergebnis der Recherche war ernüchternd: Bislang gibt es offenbar keine Studien, die die Frage nach einem Nutzen direkt beantworten können. Das Team des IGeL-Monitors fand lediglich eine Übersichtsarbeit, die zeigte, dass Ultraschall bei Frauen mit dichtem Brustgewebe mehr Tumore entdeckt. Obwohl dieses Ergebnis nur eingeschränkt auf Frauen ohne festgestellte Brustdichte übertragbar ist und darüber hinaus das Auffinden von mehr Tumoren noch lange nicht bedeutet, dass auch weniger Frauen an Brustkrebs sterben, wertete das IGeL-Team dieses Ergebnis als zumindest schwache Hinweise auf einen geringen Nutzen des Ultraschalls zur Brustkrebsfrüherkennung. Da zusätzlich entdeckte Tumore zwangsläufig auch mehr Fehlalarme und unnötig behandelte Tumore mit sich bringen, sieht das Team auch Hinweise auf geringe Schäden. Somit läuft die Gesamtbewertung auf ein „unklar“ hinaus.

„Die Situation beim Ultraschall der Brust zur Krebsfrüherkennung spiegelt besonders drastisch die Situation wider, die im IGeL-Markt so häufig anzutreffen ist“, sagt Monika Lelgemann. „Um es ganz deutlich zu sagen: Die Medizin befindet sich im Blindflug – und der Autopilot hat unzureichende Daten.“

Hintergrund:
Unter www.igel-monitor.de erhalten Versicherte wissenschaftlich fundierte Bewertungen zu sogenannten Selbstzahlerleistungen. Entwickelt wurde die nicht-kommerzielle Internetplattform vom Medizinischen Dienst des GKV-Spitzenverbandes (MDS). Der MDS berät den GKV-Spitzenverband in allen medizinischen und pflegerischen Fragen, die diesem qua Gesetz zugewiesen sind. Er koordiniert und fördert die Durchführung der Aufgaben und die Zusammenarbeit der Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) auf Landesebene in medizinischen und organisatorischen Fragen.

Die IGeL „Ultraschall der Brust zur Krebsfrüherkennung“ ist die 30. Leistung, die im IGeL-Monitor bislang besprochen wurde, 26 Leistungen davon wurden auch bewertet:

  • „positiv“ 0
  • „tendenziell positiv“ 3
  • „unklar“ 11
  • „tendenziell negativ“ 8
  • „negativ“ 4

Zur Bewertung Ultraschall der Brust zur Krebsfrüherkennung im IGeL-Monitor

Pressekontakt:
IGeL-Monitor
Dr. Christian Weymayr
Tel.: 01577 6811061
presse@igel-monitor.de

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