Umfrage zeigt Beratungsbedarf über IGeL

Essen, 23. September 2013

Eine Erhebung der Bertelsmann-Stiftung ergibt, dass sich etwa einer von fünf Versicherten in ärztlichen Praxen gedrängt fühlt, IGeL in Anspruch zu nehmen. Spitzenreiter sind mit weitem Abstand die Augenärztinnen und Augenärzte.

Die so genannte Weiße Liste der Bertelsmann-Stiftung ist ein Internetportal, das bei der Suche nach dem richtigen ambulante ärztlichen Angebot, Krankenhaus oder Pflegeheim helfen soll. Das Besondere an diesem „Wegweiser im Gesundheitswesen“ ist, dass Patientinnen und Patienten die behandelnden Ärztinnen und Ärzte in einem Fragebogen bewerten können. Jetzt wurden 250.000 Fragebögen ausgewertet, die bis zum Juni 2013 abgegeben wurden. Im Fragebogen können die Versicherten verschiedenen Aussagen zustimmen oder sie ablehnen. Eine Aussage zum Thema IGeL lautet: „Manchmal fühle ich mich in der Praxis bedrängt, zusätzliche Leistungen, die meine Krankenkasse nicht übernimmt, in Anspruch zu nehmen und selbst zu zahlen.“

Dieser Aussage stimmten im Durchschnitt 17 Prozent aller Versicherten zu, das heißt, beinahe jede und jeder Fünfte wird in den Praxen auf offensive Weise mit dem Thema IGeL konfrontiert. Es ergaben sich dabei jedoch deutliche Unterschiede im IGeL-Verhalten verschiedener ärztlicher Gruppen. In folgenden Praxen fühlen sich von 100 Patientinnen und Patienten bedrängt:

  • Augenheilkunde 37
  • Orthopädie 27
  • Haut- und Geschlechtskrankheiten 24
  • Orthopädie und Unfallchirurgie 24
  • Urologie 22
  • Frauenheilkunde und Geburtshilfe 21
  • Allgemeinmedizin 15
  • Praktischer Arzt/Praktische Ärztin, Arzt/Ärztin 15
  • Anästhesiologie 15
  • Chirurgie 15
  • Hals-Nasen-Ohrenheilkunde 14
  • Innere Medizin 14
  • Psychiatrie und Psychotherapie 12
  • Neurologie 12
  • Kinderheilkunde / Kinder- und Jugendmedizin 8

Um Missbrauch auszuschließen und Mehrfachabstimmung zu vermeiden, können nur Versicherte der AOK, der Barmer GEK und der Techniker Krankenkasse den Fragebogen im Internet ausfüllen. Dass an der Erhebung Versicherte von sich aus teilnehmen und nicht per Zufallsprinzip ausgewählt wurden, schwächt die Aussagekraft der Ergebnisse. Ob also wirklich jeder dirtten Besucherin und jedem dritten Besucher einer augenärztlichen Praxis IGeL aufgedrängt werden, kann die Studie nicht zuverlässig beantworten. Die Aussage, dass dies in einer ärztlichen Praxis für Kinderheilkunde viermal so selten passiert, ist aber einigermaßen verlässlich.

Fazit: Auch wenn die Ergebnisse mit methodischen Unsicherheiten behaftet sind, lässt sich festhalten, dass sich ein nennenswerter Teil der Patientinnen und Patienten gedrängt fühlt, IGeL-Angebote wahrzunehmen. So zeigt die Untersuchung einmal mehr den hohen Bedarf an fundierter Aufklärung über IGeL, wie ihn der IGeL-Monitor bietet.


Pressekontakt:
IGeL-Monitor
Dr. Christian Weymayr
Tel.: 01577 6811061
presse@igel-monitor.de

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