Vier IGeL-Bewertungen aktualisiert, keine geändert

PRESSEMITTEILUNG DES MDS
Essen, 17. September 2014

Ob Eigenbluttherapie, Ultraschall der Eierstöcke oder Stoßwellentherapie der Kalkschulter und des Tennisarms: Eine Sichtung der aktuellen Literatur ändert die Bewertungen dieser IGeL im IGeL-Monitor nicht.

Aus gutem Grund soll in wissenschaftlichen Bewertungen stets der aktuelle Erkenntnisstand diskutiert werden. So auch im IGeL-Monitor: Neue Studien oder Übersichtsarbeiten können neue Erkenntnisse bringen, die unsere Bewertungen verändern. Nun hat das Team des IGeL-Monitors vier Bewertungen aktualisiert: Stoßwellentherapie beim Tennisarm und Stoßwellentherapie bei der Kalkschulter, Eigenbluttherapie bei Tendinopathie sowie Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung. Obwohl teilweise neue Studien, neue Übersichtsarbeiten oder neue Empfehlungen gefunden wurden, blieben die Bewertungen gleich.

Zu den beiden Einsatzgebieten der Stoßwellentherapie gab es jeweils neue Übersichtsarbeiten, die jedoch auch nur auf die alten Studien zurückgriffen. Zur Eigenbluttherapie fanden wir dagegen sieben neue Studien. Fünf dieser Studien sahen keine Vorteile für die Behandlung. Die beiden positiven Studien waren so genannte RCTs (randomised controlled trials), die im Prinzip hohen Qualitätsansprüchen genügen. In RCTs werden die Studienteilnehmer nach dem Zufallsprinzip auf zwei Gruppen aufgeteilt, die verschiedene Behandlungen bekommen. Tatsächlich aber fehlte den beiden Studien noch ein weiteres wichtiges Qualitätsmerkmal: Die Studienteilnehmer waren nicht verblindet, das heißt, sie wussten, ob sie eine Eigenbluttherapie bekamen. Da Veränderungen durch die Therapie nicht objektiv gemessen, sondern subjektiv von den Probanden selbst beurteilt wurden, beeinflusste das Wissen um ihre Behandlung ihr Urteil möglicherweise so stark, dass die Ergebnisse letztlich nicht aussagekräftig sind.

Für den Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung liegen keine neuen Studiendaten vor, aber es gab hier trotzdem eine wichtige Änderung: Inzwischen hat eine S3-Leitlinie, die im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde, zum Screening der Eierstöcke Stellung bezogen. Sie rät klipp und klar davon ab, Frauen, die weder Anzeichen einer Erkrankung zeigen noch besondere Risikofaktoren aufweisen, zu untersuchen. Damit unterstützen die medizinischen Fachgesellschaften Deutschlands die Einschätzung des IGeL-Monitors, der die Untersuchung mit „negativ“ bewertet. „Frauenärzte, die nach wie vor die Ultraschall der Eierstöcke als IGeL anbieten, ignorieren auch die Empfehlung ihrer Fachgesellschaften“, sagt Dr. Monika Lelgemann, Leiterin des IGeL-Monitors.


Hintergrund:
Unter www.igel-monitor.de erhalten Versicherte wissenschaftlich fundierte Bewertungen zu sogenannten Selbstzahlerleistungen. Entwickelt wurde die nicht-kommerzielle Internetplattform vom Medizinischen Dienst des GKV-Spitzenverbandes (MDS). Der MDS berät den GKV-Spitzenverband in allen medizinischen und pflegerischen Fragen, die diesem qua Gesetz zugewiesen sind. Er koordiniert und fördert die Durchführung der Aufgaben und die Zusammenarbeit der Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) auf Landesebene in medizinischen und organisatorischen Fragen.

Bislang wurden im IGeL-Monitor 34 Leistungen besprochen und davon 30 Leistungen auch bewertet:

  • „positiv“ 0
  • „tendenziell positiv“ 3
  • „unklar“ 12
  • „tendenziell negativ“ 11
  • „negativ“ 4


Pressekontakt:
IGeL-Monitor
Dr. Christian Weymayr
Tel.: 01577 6811061
presse@igel-monitor.de

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