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Drei Jahre IGeL-Monitor des MDS: Patienten sollten sich vor dem Kauf einer IGeL umfassend informieren

Berlin/Essen, 26. Februar 2015

Jeder zweite Patient bekommt beim Arztbesuch Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) angeboten. Die meisten dieser Selbstzahlerleistungen haben nach wissenschaftlicher Bewertung des Medizinischen Dienstes des GKV-Spitzenverbandes (MDS) keinen nachweisbaren Nutzen oder sie schaden. Um Versicherten eine fundierte Entscheidungshilfe zu bieten, betreibt der MDS seit drei Jahren das Internet-Portal www.igel-monitor.de. Zwei Millionen Nutzerinnen und Nutzer greifen auf dieses Portal bislang zurück.

„Die Resonanz ist unverändert groß. An ruhigen Tagen informieren sich bis zu 1.500 Besucher über die Selbstzahlerleistungen, an Boom-Tagen sind es bis zu 10.000“, zieht Dr. Peter Pick, Geschäftsführer des MDS, positiv Bilanz. „Wir bieten den Versicherten eine wissenschaftlich fundierte und dennoch leicht verständliche Entscheidungshilfe, damit sie sich mit dem nötigen Wissen für oder gegen eine IGeL entscheiden können. Mit dem Portal bringt der MDS Transparenz in einen undurchsichtigen Markt.“

Neue Bewertung ist die Glaukom-Kombi-Untersuchung

Das Wissenschaftler-Team des IGeL-Monitors hat inzwischen 37 IGeL bewertet und beschrieben. Das Spektrum reicht vom Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung bis zur Stoßwellentherapie gegen Fersenschmerz. Das Gesamtergebnis ist jedoch sehr ernüchternd: 16 dieser Untersuchungs- und Behandlungsmethoden wurden mit negativ oder tendenziell negativ bewertet, 13 IGeL schnitten mit unklar und nur vier mit tendenziell positiv ab. Keine IGeL bekam bislang die Bewertung positiv. „Die Mehrzahl der IGeL schneidet schlecht ab und hat keinen nachweisbaren Nutzen für die Patienten oder sie können sogar schaden“, fasst Dr. Peter Pick zusammen.

Ebenfalls tendenziell negativ hat die neueste Bewertung, die Kombinationsuntersuchung aus Augenspiegelung und Messung des Augeninnendrucks abgeschnitten. Diese IGeL soll dazu beitragen, den Grünen Star, der zum Erblinden führen kann, möglichst früh zu erkennen und zu therapieren. „Der Nutzen der Kombinationsuntersuchung wäre gegeben, wenn Sehbeeinträchtigungen verhindert werden könnten. Dafür konnten wir in den wissenschaftlichen Studien keine ausreichenden Hinweise identifizieren“, sagt Dr. Michaela Eikermann, Leiterin des Bereichs Evidenzbasierte Medizin beim MDS.

Frauen erhalten besonders oft IGeL-Angebote

Nach einer repräsentativen Umfrage der Techniker Krankenkasse erhält jeder zweite Patient beim Arztbesuch IGel angeboten. Besonders betroffen sind mit 58 Prozent Frauen – nicht zuletzt, weil Gynäkologen auf Rang eins der IGeL-Verkäufer stehen. An zweiter Stelle stehen Zahnärzte, an dritter Augenärzte. „Wir halten die Entwicklung auf dem boomenden IGeL-Markt für bedenklich. Die Patientinnen und Patienten werden nicht ausreichend über Nutzen und Risiken informiert. Alternativen, die von den Kassen bezahlt werden, werden oft nicht genannt“, sagt Dr. Pick. Die Versicherten sollten in der Praxis auf Bedenkzeit, Informationen und einem schriftlichen Vertrag bestehen: „IGeL sind nie dringend. Es gibt keinen Grund, sich drängen zu lassen“, erklärt Pick.

Neue Angebote des IGeL-Monitors stärken Patientenschutz

Die Auswertung der Kommentare von IGeL-Monitor-Nutzern ergab, dass sich viele Versicherte auf dem IGeL-Markt allein gelassen fühlen. Manche gaben an, sie seien überredet worden. Der IGeL-Monitor hat zum Ziel, noch mehr Patienten in ihrer Entscheidungsautonomie durch Informationen zu stärken. „IGel-Bewertungen zu erstellen ist das eine. Das andere ist, dass die Bewertungen auch möglichst vielen Menschen zugänglich sind“, sagt Dr. Christian Weymayr, Projektleitung IGeL-Monitor. In der neuen Mediathek finden Nutzerinnen und Nutzer künftig Filme, in denen einzelne Top-Seller anschaulich erklärt werden. Den Anfang macht ein Film über den PSA-Test zur Prostatakrebs-Früherkennung. Zudem stellt das Team auch Merkblätter für den Arztbesuch zur Verfügung, auf dem das Wichtigste zusammengefasst ist. Die Merkblätter ergänzen die IGeL-App, mit der man sich ebenfalls in der Arztpraxis informieren kann.

Hintergrund:

Die Bewertungen des IGeL-Monitors basieren auf den Methoden der Evidenzbasierten Medizin (EbM). Das heißt: Für die Bewertung von Nutzen und Schaden einer IGeL-Leistung recherchiert das Team aus Medizinern und Methodikern beim MDS in medizinischen Datenbanken. Die Wissenschaftler tragen die Informationen nach einer definierten Vorgehensweise zusammen und werten sie systematisch aus. Das IGeL-Team wägt Nutzen und Schaden gegeneinander ab und fasst das Ergebnis in einer Bewertungsaussage zusammen, die von „positiv“, „tendenziell positiv“ und „unklar“ bis zu „tendenziell negativ“ und „negativ“ reicht. Alle Analyseschritte einer Bewertung sind auf dem IGeL-Monitor dokumentiert. Jede bewertete IGeL wird in mehreren Ebenen dargestellt, die von Stufe zu Stufe ausführlicher und fachlicher wer-den: von der zusammenfassenden Bewertungsaussage bis hin zu den für ein Fachpublikum hinterlegten Ergebnissen der wissenschaftlichen Recherche und Analyse. Versicherte erfahren außerdem, welche Leistungen von den gesetzlichen Krankenkassen bei den Beschwerden übernommen werden, für die der Arzt ihnen die IGeL-Leistung anbietet. Sie erhalten auch Auskunft über die Preisspanne, zu der eine IGeL angeboten wird. Und schließlich gibt der IGeL-Monitor Tipps, wie sich Versicherte im konkreten Fall verhalten können, wenn ihnen IGeL angeboten werden.

Der MDS berät den GKV-Spitzenverband in allen medizinischen und pflegerischen Fragen, die diesem qua Gesetz zugewiesen sind. Er koordiniert und fördert die Durchführung der Aufgaben und die Zusammenarbeit der Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) auf Landesebene in medizinischen und organisatorischen Fragen.

Pressekontakt:

MDS, Pressestelle, Michaela Gehms,
Tel. 0201 8327-115, m.gehms@mds-ev.de