Biofeedback-Therapie bei Migräne

Lassen sich mithilfe der Biofeedback-Therapie unbewusste Körpervorgänge wahrnehmen und Migräneanfälle positiv beeinflussen?

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IGeL-Steckbrief
Arztgruppen Allgemeinmedizin, Psychiatrie und Psychotherapie, Neurologie
Bereich Kopf und Gehirn
Anlass

Migräne

Verfahren

Verhaltenstraining

Kosten

Pro Sitzung zwischen 9 und 20 Euro

GKV-Leistung

Vorwiegend Medikamente, in besonderen Fällen auch psychotherapeutische Verfahren bei Migräne

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Die Biofeedback-Therapie gegen Migräne bewerten wir als „unklar“.

Biofeedback-Therapie ist eine Entspannungs-Technik, die es Patienten ermöglicht, unbewusste Körpervorgänge wahrnehmen zu können. Dadurch kann man beispielsweise lernen, seinen Körper so zu steuern, dass Blutgefäße enger werden. Damit sollen sich Migräne und andere Schmerzen vermindern lassen. Die Behandlung der Migräne mit Medikamenten und anderen Methoden wird von den Krankenkassen bezahlt. Biofeedback-Therapie ist grundsätzlich eine IGeL.

Studien finden zwar einen Nutzen, wenn die Patienten in der Kontrollgruppe gar nicht behandelt werden, doch werden die Patienten in der Kontrollgruppe zum Schein behandelt, zeigt sich die Biofeedback-Therapie nicht überlegen. Ihr scheinbarer Nutzen geht also nicht auf die spezifische Maßnahme zurück. Wir sehen deshalb keine Hinweise auf einen Nutzen. Schäden werden in den Arbeiten nicht erwähnt und sind auch nicht plausibel, weshalb wir auch keine Hinweise auf einen Schaden erkennen.

Erstellt am: 11.01.2012
Letzte Aktualisierung:

Bild: Kurhan/Fotolia

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Pro Sitzung zwischen 9 und 20 Euro

GKV-Leistung

Vorwiegend Medikamente, in besonderen Fällen auch psychotherapeutische Verfahren bei Migräne

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IGeL

Biofeedback ist eine Verhaltenstherapie, die sowohl in der Schul- als auch in der Alternativmedizin eingesetzt wird, unter anderem gegen Migräne. Die Biofeedback-Therapie ist grundsätzlich keine GKV-Leistung. Als IGeL kostet sie pro Sitzung in der Regel zwischen 9 und 20 Euro.

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Gesundheitsproblem

Migräne ist weit verbreitet. Die Ursachen der Migräne sind unbekannt. Während der meist mehrere Stunden dauernden Migräneanfälle leidet der Patient unter heftigen, pochenden Kopfschmerzen, die oft nur auf einer Seite auftreten. Während eines Migräneanfalls kann der Patient besonders licht- und lärmempfindlich sein sowie Übelkeit verspüren. Wenn er sich bewegt, werden die Schmerzen schlimmer. Deshalb kann es ihm helfen, in einem kühlen, dunklen Zimmer zu liegen.

Ein Schmerztagebuch soll helfen, Auslöser der Migräne zu entdecken und zu vermeiden. Zur Behandlung und Vorbeugung der Schmerzen werden sehr häufig Medikamente eingesetzt. Darüber hinaus kommen auch Entspannungstechniken zum Einsatz. Dazu zählen zum Beispiel die progressive Muskelrelaxation und das autogene Training sowie Biofeedback-Verfahren. Als einzelne Methoden werden diese nicht von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt. Sie können aber durchaus als Komponenten im Rahmen einer Verhaltenstherapie zum Einsatz kommen.

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Methode

Mit Biofeedback bezeichnet man eine Vielzahl von Methoden, bei der mehr oder weniger unbewusste Körpervorgänge mit Hilfe technischer Geräte so umgewandelt werden, dass man sie wahrnehmen kann: So werden beispielsweise das Ein- und Ausatmen in Licht- und Geräuschsignale umgesetzt. Der Patient soll dabei in mehreren Trainingssitzungen lernen, die Körpervorgänge bewusst zu steuern.

Gegen Migräne kommen mehrere Varianten des Biofeedback zum Einsatz: beispielsweise das Hauttemperatur-Biofeedback, das Neurofeedback, das respiratorische Biofeedback, bei dem die Atemhäufigkeit gemessen wird, das Myofeedback mit einer Messung der Muskelanspannung und das Vasokonstriktionstraining, bei dem der Blutfluss an der Schläfenarterie gemessen wird mit dem Ziel, absichtlich die Blutgefäße zu verengen.

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Empfehlungen anderer

Es gibt keine evidenzbasierte Leitlinie einer deutschen Fachgesellschaft, die die Biofeedback-Therapie gegen Migräne empfiehlt.

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Bewertung

Wirkung

Biofeedback-Verfahren sollen wirken, indem sie dem Patienten eigentlich unbewusste Körpervorgänge bewusst machen und indem er diese Vorgänge anschließend willentlich steuern kann.

Nutzen

Die Biofeedback-Therapie bei Migräne hätte einen Nutzen, wenn durch die willentliche Beeinflussung von Körpervorgängen Schmerzattacken seltener auftreten oder weniger stark ausfallen würden.

Den gefundenen Studien zufolge ist es besser, Migräne mit Biofeedback zu behandeln als nichts zu tun („Wartelisten-Kontrolle“). Mit dieser Versuchsanordnung kann man jedoch nicht ausschließen, dass die beobachtete Überlegenheit von Biofeedback möglicherweise alleine auf dem sogenannten Placebo-Effekt beruht. Wenn Biofeedback in den gefundenen Studien gegen eine Scheinbehandlung getestet wird, ist die Behandlung nicht überlegen. Es gibt also keine Hinweise auf einen Nutzen, der spezifisch auf dem Prinzip des Biofeedback-Verfahrens beruht.

Schaden

Die Biofeedback-Therapie bei Migräne wäre dann schädlich, wenn sie Nebenwirkungen hätte und die Lebensqualität der Patienten beeinträchtigen würde.

Wir fanden in der Literatur keine Hinweise auf mögliche Schäden durch die Biofeedback-Therapie. Wir gehen auch nicht davon aus, dass bei der Biofeedback-Therapie direkte Schäden zu erwarten sind. Wir sehen deshalb keine Hinweise auf einen Schaden.

Eine Biofeedback-Therapie ist jedoch besonders aufwendig, da meist 10 Trainingssitzungen benötigt werden, bis Veränderungen beobachtet werden können. Diese Zeit geht dann für Sport und andere Maßnahmen, die die Lebensqualität und Allgemeinfitness verbessern könnten, verloren.

Fazit

Wir bewerten die Biofeedback-Therapie bei Migräne als „unklar“: Vergleicht man die Biofeedback-Therapie mit einer Scheinbehandlung, zeigt sich in den von uns gefundenen Studien keine Überlegenheit des Verfahrens. Insgesamt finden wir also keine belastbaren Hinweise auf einen Nutzen. Auch auf mögliche Schäden gibt es keine Hinweise.

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Erstellt am: 11.01.2012
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Bild: Kurhan/Fotolia

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Biofeedback-Therapie bei Migräne

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Allgemeine Informationen zu dieser IGeL

  • Migräne ist wegen der mitunter sehr starken Kopfschmerzen, der Lichtempfindlichkeit und anderer Beschwerden besonders belastend.
  • Mit verschiedenen Methoden eines Verhaltenstrainings sollen Patienten lernen, Körpervorgänge bewusst zu steuern.
  • Kosten: in der Regel zwischen 9 und 20 Euro pro Sitzung.
  • Das bezahlen die Krankenkassen (GKV): Migränebehandlung mit Medikamenten, teils auch mit psychotherapeutischen Verfahren.

Was sagt der IGeL-Monitor über den Nutzen?

  • Ziel ist es, durch gedankliche Steuerung die Beschwerden zu lindern.
  • Studien zeigen: Biofeedback ist besser als nichts zu tun, aber nicht besser als eine Scheinbehandlung.
  • Deshalb sehen wir keine belastbaren Hinweise auf einen Nutzen.

Was sagt der IGeL-Monitor über den Schaden?

  • Über Schäden ist bei einer Biofeedback-Therapie nichts bekannt.

Was meint der IGeL-Monitor?

  • Unsere Bewertung lautet „unklar“, da keine Hinweise auf Schäden, aber auch keine belastbaren Hinweise auf einen Nutzen vorliegen.

Woher weiß der IGeL-Monitor das?

  • Analyse der internationalen Forschungsergebnisse durch das wissenschaftliche Team des IGeL-Monitors.
  • Wichtigste Quelle: Übersichtsarbeit von 2008 (Nestoriuc et al.).
  • Detaillierte Informationen zur Analyse unter www.igel-monitor.de.

Was ist der IGeL-Monitor?

  • Der IGeL-Monitor analysiert Nutzen und Schaden von IGeL (auch „Selbstzahlerleistungen“), damit Versicherte sich informieren können.
  • Träger: MDS (Medizinischer Dienst des GKV-Spitzenverbandes)

Erstellt am: 11.01.2012
Letzte Aktualisierung:

Bild: Kurhan/Fotolia

positiv: Unserer Ansicht nach wiegt der Nutzen der IGeL deutlich schwerer als ihr Schaden

tendenziell positiv: Unserer Ansicht nach wiegt der Nutzen der IGeL geringfügig schwerer als ihr Schaden

unklar: Unserer Ansicht nach sind Nutzen und Schaden der IGeL ausgewogen, oder wir finden keine ausreichenden Daten, um Nutzen und Schaden zu beurteilen

tendenziell negativ: Unserer Ansicht nach wiegt der Schaden der IGeL geringfügig schwerer als ihr Nutzen

negativ: Unserer Ansicht nach wiegt der Schaden der IGeL deutlich schwerer als ihr Nutzen

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