Kurz & bündig

Was sind IGeL?

Individuelle Gesundheitsleistungen, kurz IGeL, kann man verschieden definieren: Im normalen Sprachgebrauch ist es üblich, IGeL als „Selbstzahlerleistungen“ zu bezeichnen, und damit alle Leistungen zu meinen, die ein Patient in der Praxis selbst zahlen muss. Diese Definition ergibt jedoch kein einheitliches Bild, weil verschiedene Kassen unterschiedlich viele Leistungen übernehmen. Es ist deshalb eindeutiger, unter IGeL alle Leistungen zu verstehen, die nicht zum festgeschriebenen Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gehören, die eine Kasse also nicht zahlen muss.

Im IGeL-Monitor wird deshalb auch diese Definition verwendet. IGeL sind demnach zum einen Leistungen, die per Gesetz nicht zu den Aufgaben der GKV gehören, wie Atteste und Reiseimpfungen. Zum weitaus größeren Teil sind IGeL jedoch medizinische Maßnahmen zur Vorsorge, Früherkennung und Therapie von Krankheiten, die nicht zeigen können oder nicht gezeigt haben, dass sie, wie es das Gesetz fordert, „ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sind und das Maß des Notwendigen nicht überschreiten“.

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Wie sinnvoll sind IGeL?

Eine medizinische Leistung ist dann sinnvoll, wenn sie notwendig ist und der Nutzen den Schaden überwiegt. Diese Definition erscheint einfach. Will man sie aber praktisch anwenden, steht man vor Problemen: So ist es gerade bei IGeL besonders schwierig, die Größe von Nutzen und Schaden zu ermitteln. Auch ist die Frage, ob der Nutzen den Schaden überwiegt, letztlich eine Wertentscheidung. Um Sie bei der Entscheidung zu unterstützen, treffen wir als Team des IGeL-Monitors auch eine Abwägung, indem wir die IGeL mit einer von fünf möglichen Abstufungen bewerten. Ihre persönliche Abwägung kann davon aber auch abweichen.

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Wie viele IGeL gibt es?

Aus Angaben aus der Literatur sowie aus Anfragen von Nutzern des IGeL-Monitors schätzen wir die Zahl der IGeL auf mehrere hundert.

Wie viele es genau sind, lässt sich nicht sagen. Das hat mehrere Gründe: 

  • „IGeL“ kann man verschieden definieren (siehe oben "Was sind IGeL?"). 
  • Einzelne IGeL lassen sich beliebig fein unterteilen: So können beispielsweise mehrere Blutuntersuchungen als ein IGeL-Paket oder auch einzeln angeboten werden. 
  • Beim Anbieten von Leistungen sind dem Arzt praktisch keine Grenzen gesetzt, da er auch Verfahren praktizieren darf, deren Wirkung nicht nachgewiesen ist. Gerade die Alternativmedizin eignet sich dazu, beinahe jede beliebige Handlung als Heilverfahren zu bezeichnen. 
  • Der IGeL-Markt ist nicht konstant. Ständig kommen neue Angebote hinzu und andere geraten in Vergessenheit.

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Wer entscheidet, welche Leistung eine IGeL ist?

Der Gemeinsame Bundesausschuss, kurz G-BA, ist das zentrale Entscheidungsgremium des Gesundheitswesens: Er legt im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen fest, welche medizinischen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen müssen. Leistungen, die der G-BA als Kassenleistung ablehnt oder über die er noch keine Entscheidung getroffen hat, werden oft als IGeL angeboten.

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Wo begegnet man IGeL?

Auf IGeL kann man bei vielen Gelegenheiten stoßen: Bekannte erzählen davon, Medien berichten darüber, die Magazine der Krankenkassen stellen sie vor und auch Krankenhäuser legen Informationsmaterialien zu IGeL aus. Besonders häufig kommt man mit IGeL in Kontakt, wenn man mit Fach- und Allgemeinärzten zu tun hat. Viele Ärzte informieren über IGeL im Internetauftritt ihrer Praxis, über die medizinischen Fachangestellten (MFA, früher Arzthelferin), über Prospekte, Aufsteller und Wartezimmer-Fernsehen in der Praxis sowie im persönlichen Gespräch mit dem Patienten. Unterstützung beim Vermarkten der IGeL können Ärzte von Werbeagenturen, Herstellern, Ärzteverbänden und Verlagen erhalten.

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Welche IGeL sind besonders beliebt?

Laute einer Umfrage des Wissenschaftlichen Instituts der AOK von 2015 sind die sieben häufigsten Leistungsgruppen im IGeL-Markt: Ultraschalluntersuchungen, Glaukom-Früherkennung, Medikamente beziehungsweise Heil- und Hilfsmittel, Blutuntersuchungen und Laborleistungen, ergänzende Krebsfrüherkennung bei Frauen, Bestimmung des PSA-Wertes zur Prostatakrebs-Früherkennung sowie kosmetische Leistungen.

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Bieten alle Ärzte IGeL an?

Das IGeL-Verhalten von Ärzten ist ganz unterschiedlich. Während manche so intensiv igeln, dass auch die Ärzteverbände von "schwarzen Schafen" sprechen, spielen IGeL für viele Ärzte wohl nur eine untergeordnete Rolle. Sie bieten einige wenige IGeL an, bewerben sie aber nicht aktiv. Manche Ärzte betonen auf ihren Homepages sogar explizit, dass sie grundsätzlich keine IGeL anbieten. Ganz ohne Selbstzahlerleistungen kommen jedoch auch diese Ärzte nicht aus: Reiseimpfungen, Atteste und andere Leistungen, die von Menschen nachgefragt werden, aber keine Kassenleistung sein dürfen, werden auch von ihnen erbracht.

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