Eigenbluttherapie bei Tendinopathie

Können Patienten mit einer Sehnenreizung im Arm, einem „Tennisarm“, von einer Eigenblutbehandlung profitieren?

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Arztgruppe Chirurgie/Orthopädie
Bereich Bewegung
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Schmerzen in Armen, Beinen und diversen Körperteilen

Verfahren

Injektion, Infusion

Kosten

Einzelbehandlung zwischen 5 und 12 Euro

GKV-Leistung

Physiotherapie, Schmerzmittel und andere Verfahren sowie und unter Umständen bestimmte Bandagen und andere Hilfsmittel sowie bestimmte Operationsverfahren zur Behandlung einer Sehnenreizung

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Wir bewerten die Eigenbluttherapie bei Sehnenreizung als „tendenziell negativ“.

Bei der Eigenbluttherapie wird, wie der Name schon sagt, der Patient mit seinem eigenen Blut behandelt. Bevor der Patient sein Blut zurückerhält, kann dieses mit Ozon, UV-Licht, homöopathischen Substanzen und vielem anderen aufbereitet werden. Die Eigenbluttherapie muss klar von der Eigenbluttransfusion abgegrenzt werden, die dazu dient, einen Blutverlust mit eigenem Blut auszugleichen. Die Eigenbluttherapie soll vielmehr die Selbstheilungskräfte des Patienten anregen und so bei einer Vielzahl von Beschwerden hilfreich sein. Wir gehen in unserer Bewertung nur auf die Therapie der Sehnenreizung (Tendopathie oder Tendinopathie) ein. Die Eigenbluttherapie ist ein Verfahren der Alternativmedizin und immer eine IGeL.

Leicht positive Effekte der Eigenbluttherapie stammen aus nicht aussagekräftigen Studien. Bei der Rückinjektion verarbeiteten Blutes kann man grundsätzlich unerwünschte Ereignisse nicht ausschließen. Neue Studien, die bei einer Aktualisierung im August 2014 gefunden wurden, ändern unsere Bewertung nicht.

Erstellt am: 16.01.2012
Letzte Aktualisierung: 17.09.2014

Bild: Photographee.eu/Fotolia

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IGeL

Unter Eigenbluttherapien versteht man diverse Methoden, bei denen das Blut eines Patienten entnommen, unter Umständen behandelt und dem Patienten anschließend wieder zurückinjiziert wird. Dies soll die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren, so auch bei Sehnenreizungen. Eigenbluttherapien sind fester Bestandteil der Alternativmedizin. Die Kassen übernehmen die Kosten für konventionelle Behandlungen einer Sehnenreizung mit Operationen, Medikamenten und Krankengymnastik. Eigenbluttherapien dagegen wurden im Jahr 2000 grundsätzlich aus dem Pflichtkatalog der gesetzlichen Krankenkassen ausgeschlossen. Eine Einzelbehandlung kostet in der Regel zwischen 5 und 12 Euro. Sie wird üblicherweise mehrmals wiederholt.

Etwas anderes sind Eigenbluttransfusionen, mit denen ein Blutverlust, zum Beispiel bei größeren Operationen, ausgeglichen werden soll. Diese können GKV-Leistung sein.

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Gesundheitsproblem

Schmerzhafte Reizungen der Sehnen sind vor allem die Folge einer Überlastung. Zusätzlich kann sich die gereizte Stelle entzünden. Verbreitet sind Sehnenreizungen am Ellenbogen („Tennisellenbogen“) und an der Ferse. Da Sehnen sich sehr langsam regenerieren, kann die Heilung entsprechend lange dauern.

Um die Heilung zu unterstützen, wird empfohlen, die belastende Tätigkeit einzuschränken. Bringt das keine Besserung, werden verschiedene Behandlungen eingesetzt: Krankengymnastik, die Gabe von Medikamenten zur Schmerzlinderung oder zur Entzündungshemmung und Operationen.

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Methode

Schon in der Antike maßen Ärzte dem Blut eine besondere Bedeutung bei: Sie sahen es einerseits als Quelle des Lebens an, andererseits als Träger krankmachender Substanzen. Auch die Idee, eigenes Blut zur Therapie zu nutzen, ist alt. Dahinter steht die Vorstellung, das Immunsystem ließe sich durch die Konfrontation mit dem eigenen Blut, das verändert oder an besonderen Stellen in den Körper injiziert wird, „aktivieren“.

Heute ist die Eigenbluttherapie ein Verfahren der Alternativmedizin. In Unterlagen von Anbietern wird die Eigenbluttherapie als Reiztherapie oder Reizkörpertherapie bezeichnet, die je nach Anwendung stimulierend, umstimmend oder dämpfend wirkt und die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert. Konkret werden Eigenbluttherapien zur Vorbeugung vor Infekten sowie zur Behandlung von Sehnenreizungen, Neurodermitis, arteriellen Verschlusskrankheiten, Infektionen mit HIV und anderen Erregern, Allergien, Immunschwächen, Pilzerkrankungen, Migräne, Akne, Erschöpfung, Verschleiß und vielem mehr eingesetzt.

Die angebotenen Varianten der Eigenbluttherapie sind äußerst vielfältig:

  • 1. Schritt, die Blutentnahme: Ein Tropfen bis einige hundert Milliliter werden aus der Fingerkuppe oder einer Vene des Patienten entnommen.
  • 2. Schritt, die Blutaufbereitung: Das entnommene Blut bleibt unverändert oder es wird aufbereitet. Zur Aufbereitung dienen beispielsweise Sauerstoff, Ozon, Homöopathika (Nosoden) und UV-Licht. Manche Verfahren sehen zusätzlich vor, Blutzellen aufzulösen oder bestimmte Zellen zu isolieren. Es lassen sich auch mehrere Aktionen kombinieren: So werden etwa bei der Hämatogenen Oxydationstherapie (HOT, auch Blutwäsche nach Wehrli) dem Blut zunächst Stoffe zugesetzt, die die Gerinnung unterbinden, dann wird es mit eingeblasenem Sauerstoff und Ozon aufgeschäumt und schließlich mit UV-Licht bestrahlt.
  • 3. Schritt, die Blutrückgabe: Nach der Aufbereitung wird das Blut dem Patienten zurückgegeben, und auch dafür gibt es verschiedene Verfahren: Es wird in einen Muskel injiziert, in die Adern infundiert oder es wird geschluckt. Kindern wird unter Umständen auch ein Tropfen elterlichen Blutes zum Einnehmen gegeben.

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Empfehlungen anderer

Keine Leitlinie einer deutschen Fachgesellschaft empfiehlt die Eigenbluttherapie im alternativmedizinischen Sinne.

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Bewertung

Wirkung

Die Eigenbluttherapie soll Reaktionen im Organismus auslösen und damit die Selbstheilung anregen. Da der Organismus bei der Eigenbluttherapie mechanisch gereizt und mit realen Zellen und Stoffen konfrontiert wird, ist tatsächlich eine gewisse Reaktion zu erwarten. Es ist damit jedoch nicht gesagt, dass auch eine Wirkung, also eine gezielte Immunstimulierung, erreicht wird.

Nutzen

Die Eigenbluttherapie wäre nützlich, wenn sie die Beschwerden der Sehnenreizung lindern könnte.

Zur Eigenbluttherapie bei Sehnenreizung fanden wir drei Übersichtsarbeiten, die mehrere Studien und Fallserien auswerteten, sowie eine weitere aktuelle Studie. Der Nutzen der Eigenbluttherapie wurde im Vergleich zu anderen Therapien (Kortikoide, Anästhetikum) ermittelt. Die aussagekräftigen Untersuchungen zeigen, dass die Eigenbluttherapie den anderen Verfahren unterlegen beziehungsweise nicht überlegen ist. Positive Ergebnisse stammen aus einer nicht aussagekräftigen Studie, bei der die Probanden wussten, wie sie behandelt wurden, sowie aus Fallserien, deren Aussagekraft generell sehr beschränkt ist.

Im August 2014 führten wir erneut eine Literatursuche durch. Wir fanden insgesamt sieben aktuelle Studien, von denen fünf Studien keine Hinweise auf einen Nutzen der Eigenbluttherapie lieferten. Zwei Studien zeigten zwar positive Effekte für die Eigenbluttherapie, doch waren die Probanden – wie die Probanden in der positiven Studien der ersten Bewertung – nicht verblindet, das heißt, ihr Urteil war unzuverlässig, weil sie über die Art der Therapie Bescheid wussten.

Insgesamt sehen wir deshalb nach wie vor keine Hinweise auf einen Nutzen gegenüber einer Vergleichstherapie.

Schaden

Die Eigenbluttherapie wäre schädlich, wenn sie Nebenwirkungen hätte und die Lebensqualität der Patienten beeinträchtigen würde.

Eine aussagekräftige Studie zur Eigenbluttherapie bei Sehnenreizung (Tennisellenbogen) fand bei Probanden, die eine Eigenbluttherapie erhielten, nicht mehr unerwünschte Effekte als bei Probanden, die eine Vergleichstherapie erhielten. Wir leiten aus dieser Studie zwar keine Hinweise auf Schäden ab, müssen jedoch bei der Eigenbluttherapie grundsätzlich von möglichen weitergehenden Schäden durch das veränderte und rückinjizierte Blut ausgehen, etwa durch Verunreinigungen. Die Aktualisierung änderte an dieser Einschätzung nichts.

Insgesamt sehen wir nach wie vor Hinweise auf einen geringen Schaden.

Fazit

Wir bewerten die Eigenbluttherapie als „tendenziell negativ“: Die in die Übersichtsarbeiten eingeschlossenen Studien sowie die Studien, die bei einer Aktualisierung im August 2014 gefunden wurden, ergaben keine Hinweise auf einen Nutzen, der über eine Vergleichstherapie hinausgeht. Die positiven Ergebnisse einzelner, nicht aussagekräftiger Studien reichen für einen Nutzenbeleg nicht aus. Auch wenn eine Studie keine Nebenwirkungen gezeigt hat, die über eine Vergleichstherapie hinausgehen, sehen wir dennoch Hinweise auf einen geringen Schaden. Dies begründen wir damit, dass durch Verunreinigungen oder ungünstige Veränderungen, die sich beim Modifizieren des Eigenblutes ergeben, weitergehende Schäden möglich sind.

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Erstellt am: 16.01.2012
Letzte Aktualisierung: 17.09.2014

Bild: Photographee.eu/Fotolia

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Eigenbluttherapie bei Tendinopathie

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Allgemeine Informationen zu dieser IGeL

  • Sehnenreizungen sind vor allem in Armen („Tennisellenbogen“) und Beinen verbreitet, meist aufgrund von Überlastungen.
  • Patienten wird Blut entnommen, das auf verschiedene Weisen aufbereitet und dann dem Körper wieder zugeführt wird.
  • Kosten: etwa 5 bis 12 Euro pro Behandlung.
  • Das bezahlen die Krankenkassen (GKV): Physiotherapie, Schmerzmittel, teilweise Hilfsmittel wie Bandagen, auch Operationen.

Was sagt der IGeL-Monitor über den Nutzen?

  • Die Eigenbluttherapie soll die Selbstheilungskräfte anregen und so auch die Beschwerden bei Sehnenreizungen lindern.
  • Aussagekräftige Studien zeigen, dass die Eigenbluttherapie gleich gut oder schlechter als andere Verfahren ist.
  • Keine Hinweise auf einen Nutzen gegenüber einer Vergleichstherapie.

Was sagt der IGeL-Monitor über den Schaden?

  • Nebenwirkungen sind nicht häufiger als bei einer Vergleichstherapie.
  • Bei der Rückinjektion des Blutes sind weitere Schäden etwa durch Verunreinigungen nicht auszuschließen.
  • Wir sehen deshalb Hinweise auf einen geringen Schaden.

Was meint der IGeL-Monitor?

  • Unsere Bewertung lautet „tendenziell negativ“, da wir keinen zusätzlichen Nutzen, aber mögliche Schäden sehen.
  • Eigenbluttherapien sind seit 2000 als GKV-Leistung ausgeschlossen.

Woher weiß der IGeL-Monitor das?

  • Analyse der internationalen Forschungsergebnisse durch Wissenschaftler des IGeL-Monitors.
  • Wichtigste Quelle: Übersichtsarbeit des NICE von 2013.
  • Detaillierte Informationen zur Analyse unter www.igel-monitor.de.

Was ist der IGeL-Monitor?

  • Wissenschaftler analysieren Nutzen und Schaden von IGeL (auch „Selbstzahlerleistungen“), damit Versicherte sich informieren können.
  • Träger: MDS (Medizinischer Dienst des GKV-Spitzenverbandes)

Erstellt am: 16.01.2012
Letzte Aktualisierung: 17.09.2014

Bild: Photographee.eu/Fotolia

positiv: Unserer Ansicht nach wiegt der Nutzen der IGeL deutlich schwerer als ihr Schaden

tendenziell positiv: Unserer Ansicht nach wiegt der Nutzen der IGeL geringfügig schwerer als ihr Schaden

unklar: Unserer Ansicht nach sind Nutzen und Schaden der IGeL ausgewogen, oder wir finden keine ausreichenden Daten, um Nutzen und Schaden zu beurteilen

tendenziell negativ: Unserer Ansicht nach wiegt der Schaden der IGeL geringfügig schwerer als ihr Nutzen

negativ: Unserer Ansicht nach wiegt der Schaden der IGeL deutlich schwerer als ihr Nutzen

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