Hochtontherapie

Haben die elektrischen Impulse bei der Hochtontherapie bei verschiedenen Erkrankungen einen positiven oder negativen Effekt?

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Arztgruppen Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Neurologie
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Anlass

Diabetes, Durchblutungsstörungen, diverse Krankheiten

Verfahren

Elektrische Stimulation

Kosten

zwischen 10 und 22 Euro

GKV-Leistung

Bei Durchblutungsstörungen: gerinnungshemmende und/oder durchblutungsfördernde Medikamente, ggf. Gefäßoperationen oder Kathetereingriffe. Bei diabetischer Neuropathie: vor allem Medikamente (Antidepressiva, Antiepileptika, ggf. Schmerzmittel).

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Wir bewerten die IGeL Hochtontherapie mit „unklar“.

Bei der Hochtontherapie sollen elektrische Impulse Zellen und Gewebe positiv stimulieren. Sie sollen zum Beispiel Energie in den Körper einschleusen, den Stoffwechsel normalisieren und vieles mehr. Auf diese Weise sollen sich die verschiedensten Krankheiten von Schmerzen über Schlaflosigkeit bis hin zu offenen Beine behandeln lassen. Die Hochtontherapie ist generell eine IGeL. Eine Sitzung kostet in der Regel zwischen 10 und 22 Euro, eine Behandlung kann bis zu zehn Sitzungen umfassen.

Wenn Anbieter und Gerätehersteller Behandlungserfolge in Aussicht stellen, können sie sich damit nicht auf wissenschaftliche Belege stützen. Wir haben lediglich zwei Studien, die gewissen formalen Qualitätskriterien genügen, gefunden, eine zu Durchblutungsstörungen und eine zu einer Begleiterkrankung des Diabetes, der diabetischen Polyneuropathie. Auch wenn in einer der Studien Probanden über eine kurzfristige Linderung ihrer Beschwerden berichteten, ist die Datenlage insgesamt so schwach, dass wir keine Hinweise auf einen Nutzen sehen. Da wir auch keine Hinweise auf mögliche Schäden erkennen können, bewerten wir die IGeL Hochtontherapie mit „unklar“.

Erstellt am: 06.12.2012
Letzte Aktualisierung:

Bild: Dr. Hans-Ulrich May

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Bei Durchblutungsstörungen: gerinnungshemmende und/oder durchblutungsfördernde Medikamente, ggf. Gefäßoperationen oder Kathetereingriffe. Bei diabetischer Neuropathie: vor allem Medikamente (Antidepressiva, Antiepileptika, ggf. Schmerzmittel).

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IGeL

Bei der Hochtontherapie werden Patienten nicht, wie der Name vermuten lässt, mit akustischen, sondern mit elektrischen Impulsen in einem hohen Frequenzbereich behandelt. Damit sollen sich unterschiedlichste Leiden behandeln lassen. Die Hochtontherapie ist immer IGeL. Eine einmalige Behandlung kostet zwischen 10 und 22 Euro.

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Gesundheitsproblem

Die Hochtontherapie soll bei einer Vielzahl verschiedener Krankheiten helfen: bei Gelenkabnutzung (Arthrose), Tennisarm, offenen Wunden, seelischer und körperlicher Erschöpfung, Kopfschmerzen, Asthma, Schlafstörungen, Tinnitus, allgemeiner Überlastung, Stoffwechselstörungen, Diabetes sowie Durchblutungsstörungen der Arme und Beine. Nur für die beiden letztgenannten Anwendungsgebiete existieren kontrollierte Studien. Deshalb sollen auch nur diese beiden Krankheiten hier kurz beschrieben werden.

Die Durchblutungsstörung, auch periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) genannt, rührt daher, dass die Arterien in den Armen und Beinen verengt sind. Wird das Gehen schmerzhaft, bleiben Patienten immer häufiger stehen, weshalb sich auch der Begriff „Schaufensterkrankheit“ eingebürgert hat. Die Behandlung besteht hier vor allem aus Bewegungstraining, um die Bildung neuer Blutgefäße zu stimulieren sowie in der Gabe gerinnungshemmender und durchblutungsfördernder Medikamente. Sind große Arterien stark verengt, so können auch Operationen oder Kathetereingriffe erforderlich werden.

Bei der Zuckerkrankheit Diabetes wird vor allem die so genannte diabetische Polyneuropathie mit Hochtontherapie behandelt. Diabetes führt bei jedem dritten Patienten zur Schädigung von Nerven, der so genannten Neuropathie. Eine Neuropathie in den Beinen äußert sich in Schmerzen, Kribbeln, Taubheitsgefühlen oder Brennen. Gefährlich ist die Neuropathie vor allem deshalb, weil die Betroffenen kleine Verletzungen an den Füßen nicht spüren. Im Zusammenspiel mit einer schlechten Durchblutung können sich dann schwer heilende Wunden („Diabetischer Fuß“) bilden. Im Extremfall müssen dann Zehen, Füße oder sogar Beine amputiert werden.

Um die Symptome beziehungsweise Folgen der Neuropathie zu lindern, empfiehlt die Nationale Versorgungsleitlinie zur diabetischen Neuropathie in erster Linie die Gabe von Medikamenten. Daneben werden diverse nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Psychotherapie, Akupunktur und Elektrotherapie, darunter auch die Hochtontherapie, erwähnt.

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Methode

Seit der Erfindung der Elektrizität gab es immer wieder Versuche, sie therapeutisch einzusetzen, entweder indirekt über Magnetfelder oder direkt über Elektroden. Die verschiedenen elektrischen Verfahren unterscheiden sich vor allem darin, wie und wo die Elektroden angebracht werden und wie groß Stromfluss, Frequenz und Impulsdauer sind. Die Hochtontherapie arbeitet meist mit elektrischen Impulsen in hohen Frequenzen zwischen 4000 und 32.000 Impulsen pro Sekunde. Um die Impulse auf den Körper übertragen zu können, werden dem Patienten Elektrodenmanschetten an Armen und Beinen angelegt.

Auf manchen Seiten im Internet kursieren irreführende Angaben über das Verfahren: Ein Anwender behauptet, die Hochtontherapie arbeite mit „bioelektrischen Tonsignalen“. Töne entstehen jedoch durch Schallwellen, die sich nur in Materie ausbreiten, elektromagnetische Signale, wie sichtbares Licht, Radiowellen und radioaktive Strahlung, dagegen sind nicht Materie-gebunden. Auch auf einem Gesundheitsportal ist zu lesen, die Hochtontherapie arbeite mit „hohen Tönen“ und es würden mit Elektroden an Füßen und Oberkörper „Hochtonschwingungen durch den ganzen Körper geschickt“.

Die Wirkungsweisen, die der Hochtontherapie zugeschrieben werden, sind ebenso vielfältig wie die Einsatzmöglichkeiten: Die Hochtontherapie soll über „Milieuveränderungen im Gewebe“ zu einer „Stoffwechselanregung und Schmerzlinderung“ führen, sie soll „Bindegewebe rasch entsäuern“, die „körpereigenen Regelprozesse“ unterstützen, sie soll „Resonanzphänomene in den Zellen auslösen“ und „Energieblockaden lösen“. Auch ist zu lesen, mit dem Verfahren werde „Energie in den Körper eingeschleust, um die Zellen zu aktivieren und den Körper zu vitalisieren“. Bei Diabetes würden auch konkret die „Insulinsensitivität verbessert“ und eine „Gewichtsabnahme“ bewirkt, bei Kniearthrose die „lokalen Entzündungen reduziert“ werden.

Von Anbietern werden 5 bis 10 Behandlungen zu je 50 bis 70 Minuten empfohlen, am besten täglich.

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Empfehlungen anderer

Es existiert eine Nationale Versorgungsleitlinie (S3) zu „Neuropathie bei Diabetes im Erwachsenenalter“. Danach können über den mittel- und langfristigen Effekt der Hochtontherapie keine Aussagen gemacht werden.

In der S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) der Deutschen Gesellschaft für Angiologie und der Gesellschaft für Gefäßmedizin wird die Hochtontherapie nicht erwähnt.

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Bewertung

Wirkung

Die Hochtontherapie soll Zellen und Gewebe energetisch aufladen, anregen, entsäuern und so Schmerzen lindern, Stoffwechselprozesse normalisieren und Entzündungen hemmen. Damit stützt sie sich auf spekulative Wirkmechanismen.

Nutzen

Die Hochtontherapie wäre nützlich, wenn sie nachweislich die behaupteten Effekte erzielen und beispielsweise Schmerzen reduzieren könnte.

Von all den behaupteten Einsatzgebieten sind lediglich die Durchblutungsstörung (periphere arterielle Verschlusskrankheit) sowie die diabetische Polyneuropathie in wissenschaftlichen Studien, die formale Minimalstandards einhalten, untersucht. Beide Studien haben den Charakter von Pilotstudien und sind für eine belastbare Aussage nicht geeignet. Auch die häufig zitierte Studie von Reichstein (2005), die die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) mit Hochtontherapie verglich, ist wenig aussagekräftig. In der Studie berichteten deutlich mehr Probanden von einer Linderung ihrer Symptome, wenn sie mit Hochtontherapie behandelt wurden. Allerdings schien der Effekt nach wenigen Tagen nicht mehr zu bestehen. Die Ergebnisse lassen also keine Aussagen über mittel- oder langfristige Effekte zu.

Hinzu kommt, dass die Autoren ihre Studie aufgrund der wenigen Probanden (n=41) und kurzen Dauer selbst als „Pilotstudie“ bezeichnen. Eine Pilotstudie dient normalerweise nicht dazu, bereits Aussagen zum Nutzen zu treffen, sondern primär dazu, die Machbarkeit des Studienablaufs zu testen. Eine aussagekräftigere Folgestudie ist jedoch bislang nicht publiziert worden.

Diese insgesamt geringen und mit schwachen Daten untermauerten Effekte genügen unserer Ansicht nach nicht, um daraus Hinweise auf einen Nutzen der Hochtontherapie abzuleiten.

Schaden

Die Hochtontherapie wäre schädlich, wenn sie Nebenwirkungen hätte und die Lebensqualität der Patienten beeinträchtigen würde.

In den Studien wird nur von einem Fall berichtet, in dem ein Patient kurzfristig über Probleme mit den Muskeln klagte. Ansonsten traten keine Nebenwirkungen auf.

Da Stärke und Frequenz der elektrischen Stimulation an den individuellen Patienten so angepasst werden, dass er die Behandlung nicht als unangenehm empfindet, und da auch keine weitergehenden Effekte zu erwarten sind, sehen wir insgesamt keine Hinweise auf einen Schaden.

Fazit

Die IGeL Hochtontherapie bewerten wir als „unklar“. Die gefundenen Studien lassen keine belastbaren Aussagen über den Nutzen der Maßnahme zu. Nebenwirkungen sind weder zu erwarten noch nachgewiesen worden, weshalb wir auch keine Hinweise auf Schaden sehen.

Anmerkung: Die Zeit, die man ruhend mit der Behandlung verbringt, geht einem für Bewegung verloren. Dabei wird Bewegung generell zur Förderung der Durchblutung, und speziell Diabetikern zur Vermeidung von Komplikationen empfohlen, insbesondere Schwimmen, Fahrrad fahren, Rudern, Bewegungsübungen im Sitzen und Armübungen.

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Erstellt am: 06.12.2012
Letzte Aktualisierung:

Bild: Dr. Hans-Ulrich May

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Hochtontherapie

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Allgemeine Informationen zu dieser IGeL

  • Angeboten als Therapie bei Diabetes, Durchblutungsstörungen, Arthrose, Asthma oder einem Tennisarm.
  • Elektrische Impulse fließen über Elektrodenmanschetten an Armen und Beinen in den Körper.
  • Kosten: etwa 10 bis 22 Euro pro Behandlung.
  • Das bezahlen die Krankenkassen (GKV): Medikamente und diverse Behandlungen bei den oben genannten Krankheiten.

Was sagt der IGeL-Monitor über den Nutzen?

  • Die hohen Frequenzen sollen Zellen und Gewebe energetisch aufladen, entsäuern, den Stoffwechsel anregen und Entzündungen hemmen.
  • Eine Wirkung ist spekulativ und unplausibel. Die Datenlage ist schwach.
  • Deshalb sehen wir keine Hinweise auf einen Nutzen.

Was sagt der IGeL-Monitor über den Schaden?

  • Nebenwirkungen sind nicht bekannt.
  • Die Behandlung ist nicht unangenehm. Stärke und Frequenz der elektrischen Impulse werden individuell angepasst.
  • Deshalb sehen wir keine Hinweise auf einen Schaden.

Was meint der IGeL-Monitor?

  • Unsere Bewertung lautet „unklar“, da wir weder Nutzen noch Schaden erkennen können.

Woher weiß der IGeL-Monitor das?

  • Analyse der internationalen Forschungsergebnisse durch das wissenschaftliche Team des IGeL-Monitors.
  • Wichtigste Quelle: Pilotstudie (Reichstein et al., 2005). 
  • Detaillierte Informationen zur Analyse unter www.igel-monitor.de.

Was ist der IGeL-Monitor?

  • Der IGeL-Monitor analysiert Nutzen und Schaden von IGeL (auch „Selbstzahlerleistungen“), damit Versicherte sich informieren können.
  • Träger: MDS (Medizinischer Dienst des GKV-Spitzenverbandes)

Erstellt am: 06.12.2012
Letzte Aktualisierung:

Bild: Dr. Hans-Ulrich May

positiv: Unserer Ansicht nach wiegt der Nutzen der IGeL deutlich schwerer als ihr Schaden

tendenziell positiv: Unserer Ansicht nach wiegt der Nutzen der IGeL geringfügig schwerer als ihr Schaden

unklar: Unserer Ansicht nach sind Nutzen und Schaden der IGeL ausgewogen, oder wir finden keine ausreichenden Daten, um Nutzen und Schaden zu beurteilen

tendenziell negativ: Unserer Ansicht nach wiegt der Schaden der IGeL geringfügig schwerer als ihr Nutzen

negativ: Unserer Ansicht nach wiegt der Schaden der IGeL deutlich schwerer als ihr Nutzen

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