MRT der Brust zur Krebsfrüherkennung

Kann die Magnetresonanztomographie Frauen davor bewahren, an Brustkrebs zu sterben?

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IGeL-Steckbrief
Arztgruppen Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Radiologie
Bereich Geschlechtsorgane der Frau
Anlass

Früherkennung von Brustkrebs

Verfahren

Magnetresonanztomographie

Kosten

in der Regel zwischen 230 und 600 Euro

GKV-Leistung

Jährliches Abtasten der Brust und der Achselhöhlen sowie Anleiten zur Selbstuntersuchung der Brust ab dem 30. Lebensjahr, zweijährliche Untersuchung im Mammographie-Screening-Programm zwischen dem 50. und 69. Lebensjahr.

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Wir bewerten die IGeL „MRT der Brust zur Krebsfrüherkennung“ mit „tendenziell negativ“. Diese Bewertung gilt für Frauen ab 40 Jahren, die kein erhöhtes Brustkrebs-Risiko haben.

Eine von acht Frauen bekommt in ihrem Leben Brustkrebs. Jede fünfte Frau, die an Brustkrebs erkrankt, stirbt daran. Im Jahr 2009 wurde deshalb flächendeckend in Deutschland das Mammographie-Screening eingeführt. Seitdem werden Frauen im Alter von 50 bis 69 jedes zweite Jahr zur Mammographie-Untersuchung eingeladen. Darüber hinaus werdenzur Früherkennung auch die Magnetresonanztomographie (MRT, auch „Kernspin“) und der Ultraschall als IGeL angeboten. Die MRT kostet pro Untersuchung in der Regel zwischen 230 und 600 Euro.

Die MRT gilt als sehr genaue Untersuchungsmethode. Sie wird deshalb auch als Alternative oder als Ergänzung zur Mammographie beworben. Wissenschaftler des IGeL-Monitors wollten wissen, ob die MRT Frauen tatsächlich davor bewahren kann, an Brustkrebs zu sterben. Leider fanden sie keine Studien, die diese Frage untersucht haben. Man weiß also nicht, ob die MRT einen Nutzen hat. Und welche Schäden sind möglich? Die MRT kommt ohne Röntgenstrahlen aus, aber für ein scharfes, aussagekräftiges Bild müssen den Frauen Mittel in das Blut gespritzt werden, die den Kontrast erhöhen. Diese Mittel können Nebenwirkungen haben. Jedes Verfahren zur Krebsfrüherkennung findet auch Tumore, die ohne Untersuchung nie aufgefallen wären. Solche Tumore werden behandelt, obwohl es nicht nötig wäre. Mit diesen Schäden müssen Frauen also rechnen, wenn sie die MRT zusätzlich zur Mammographie einsetzen. Wenn Frauen die MRT anstelle der Mammographie einsetzen, ersparen sie sich die Schäden durch die Röntgenstrahlen der Mammographie. Wir meinen aber, dass die Nebenwirkungen der Kontrastmittel schwerer wiegen als die Schäden durch die Röntgenstrahlen der Mammographie.

Erstellt am: 03.05.2018
Letzte Aktualisierung:

Bild: digitale-fotografien

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Arztgruppen Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Radiologie
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Verfahren

Magnetresonanztomographie

Kosten

in der Regel zwischen 230 und 600 Euro

GKV-Leistung

Jährliches Abtasten der Brust und der Achselhöhlen sowie Anleiten zur Selbstuntersuchung der Brust ab dem 30. Lebensjahr, zweijährliche Untersuchung im Mammographie-Screening-Programm zwischen dem 50. und 69. Lebensjahr.

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IGeL

Zur Früherkennung von Brustkrebs wurde in Deutschland im Jahr 2009 das Programm zum Mammographie-Screening eingeführt. Seitdem hat jede Frau zwischen 50 und 69 alle zwei Jahre Anspruch auf eine Mammographie-Untersuchung im Screening-Programm. Außerdem kann jede Frau ab 30 ihre Brust bei der jährlich angebotenen Frauenarzt-Untersuchung abtasten und sich über die Selbstbeobachtung informieren lassen. Darüber hinaus kommen auch andere Verfahren zum Einsatz, um Brustkrebs früh zu erkennen, wie der Ultraschall und die Magnetresonanztomographie (MRT). Die MRT kann zur Diagnose von Brustkrebs unter besonderen Umständen Kassenleistung sein. Zur Früherkennung von Brustkrebs ist die MRT-Untersuchung jedoch eine IGeL. Sie wird als besonders genaue und strahlungsfreie Maßnahme beworben und entweder ergänzend zur Mammographie oder anstelle der Mammographie eingesetzt. „Ergänzend“ heißt, dass die MRT-Untersuchung vor dem Alter von 50, also vor dem Mammographie-Screening, oder im Alter von 50 bis 69 zusätzlich zum Mammographie-Screening, oder ab dem Alter von 69, also nach dem Mammographie-Screening, durchgeführt wird. Eine MRT Aufnahme kostet in der Regel zwischen 230 und 600 Euro.

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Gesundheitsproblem

Brustkrebs ist die mit Abstand häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Etwa eine von acht Frauen erkrankt im Laufe ihres Lebens daran. Im Durchschnitt sind Frauen dann 64 Jahre alt, drei von zehn Frauen sind jünger als 55. Im Jahr 2014 wurde in Deutschland bei 70 000 Frauen Brustkrebs festgestellt. Eine von fünf Frauen, bei denen Brustkrebs diagnostiziert wurde, stirbt daran. Brustkrebs ist bei Frauen die fünfthäufigste Todesursache. 

Das Robert Koch-Institut nennt in seiner Publikation „Krebs in Deutschland“ folgende Risikofaktoren für Brustkrebs: eine frühe erste und späte letzte Regelblutung, Kinderlosigkeit, höheres Alter bei der ersten Geburt, Hormontherapie, Übergewicht und Bewegungsmangel nach den Wechseljahren, Alkohol, sehr dichtes Brustgewebe, bestimmte gutartige Veränderungen der Brust, überdurchschnittlich viele Brust- und Eierstockkrebs-Fälle in der Familie sowie eine Bestrahlung der Brust in jungen Jahren. Geringfügig erhöht wird das Risiko durch die „Pille“ und Rauchen. Ein besonders niedriges Risiko haben Frauen mit mehreren und frühen Geburten, nach denen sie ihr Baby stillten.

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Methode

Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist ein so genanntes bildgebendes Verfahren, das ohne Röntgenstrahlen auskommt. In der MRT-Röhre, in der eine Frau liegt, wird ein sehr starkes Magnetfeld erzeugt, das die Kerne von Wasserstoffatomen dazu bringt, sich im Magnetfeld auszurichten. Wenn das Magnetfeld seine Richtung ändert, folgen die Kerne mit ihrer Ausrichtung. Dadurch entsteht eine Spannungsänderung, die gemessen werden kann. Aus den Daten lässt sich ein Bild erzeugen. Die MRT ist das Verfahren, mit dem sich Weichteile besonders gut darstellen lassen. Um etwa einen Tumor in gesundem Brustgewebe erkennen zu können, lässt sich der Kontrast der verschiedenen Gewebe noch erhöhen, indem man so genannte Kontrastmittel in die Blutbahn spritzt. 

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Empfehlungen anderer

Deutsche Fachgesellschaften haben 2017 eine ärztliche Leitlinie der höchsten Qualitätsstufe zu Brustkrebs verabschiedet. Darin steht: 

  • Die Mammographie ist die einzige Methode, von der belegt ist, dass sie Frauen vor dem Brustkrebstod bewahren kann. Deshalb soll Frauen zwischen 50 und 69 Jahren eine Teilnahme am die Mammographie-Programm empfohlen werden.
  • Für bildgebende Verfahren wie Ultraschall und MRT liegen laut Leitlinie keine ausreichenden Hinweise vor, dass sie die Brustkrebstodesfälle verhindern können, weder als Ergänzung noch als Alternative zum Mammographie-Screening.

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Bewertung

Nutzen

Die MRT der Brust zur Krebsfrüherkennung wäre nützlich, wenn sie verhindern würde, dass Frauen an Brustkrebs sterben.

Wissenschaftler des IGeL-Monitors suchten in der Forschungsliteratur nach Übersichtsarbeiten, die folgender Frage nachgegangen sind: Kann eine MRT bei beschwerdefreien Frauen ohne besonders hohes Brustkrebsrisiko Todesfälle durch Brustkrebs verhindern? Es sollte dabei um Frauen ab 40 Jahren gehen, die die MRT als Ergänzung oder als Alternative zu einem Mammographie-Screening bekamen.

Die Suche ergab 5 Übersichtsarbeiten, die selbst jedoch keine entsprechenden Studien fanden. Solche Studien wären auch sehr aufwendig: Tausende Frauen müssten in zwei Gruppen eingeteilt werden, von denen die eine Gruppe eine regelmäßige MRT zugelost bekäme, die andere keine oder eine andere Untersuchung. Nach mindesten zehn Jahren müsste man dann die Brustkrebstodesfälle in beiden Gruppen vergleichen. Solche großen Studien gibt es im Bereich der Krebsfrüherkennung etwa zur Mammographie, zum PSA-Test und zum Ultraschall der Eierstöcke.

Aus diesen Studien lässt sich auch folgern, dass „mehr Tumore finden“ noch lange nicht heißt, dass auch mehr Menschen überleben. Auch wenn die MRT im Vergleich zur Mammographie als das sensiblere Verfahren gilt und folglich mit der MRT ergänzend oder alternativ zur Mammographie wahrscheinlich auch mehr frühe Tumore gefunden werden, ist damit nicht bewiesen, dass mit Hilfe der MRT Frauen vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt werden können.

Wir sehen deshalb keine Hinweise auf einen Nutzen der MRT der Brust zur Krebsfrüherkennung.

Schaden

Die MRT der Brust zur Krebsfrüherkennung wäre schädlich, wenn die Untersuchung direkt oder indirekt zu Gesundheitsschäden führen oder die Lebensqualität der Frauen beeinträchtigen würde.

Es wurden wie zum Nutzen auch zum Schaden keine Früherkennungs-Studien gefunden.

Dennoch lassen sich aus den Fachinformationen zu den in Deutschland verfügbaren Kontrastmitteln sowie den Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz zur Mammographie Rückschlüsse auf mögliche Schaden ziehen. Dabei muss man zwei Szenarien unterscheiden:

  • Wird die MRT zusätzlich zur Mammographie eingesetzt, sind weitere Schäden möglich. Direkte Schäden können etwa durch die Kontrastmittel entstehen, mit deren Hilfe sich das Brustgewebe deutlicher darstellen lässt. Die momentan verfügbaren Präparate können zum Beispiel Übelkeit, Kopfschmerzen und Schwindel auslösen. Gelegentlich kann es zu Überempfindlichkeitsreaktionen und gelegentlich bis sehr selten zu heftigen Immunreaktionen oder Nierenschäden kommen. Indirekte Schäden sind durch Überdiagnosen und Übertherapien zu erwarten, wenn also Tumore gefunden und behandelt werden, die ohne Untersuchung nie auffällig geworden wären.
  • Wird die MRT alternativ zur Mammographie eingesetzt, lassen sich die möglichen Schäden von MRT mit den Schäden der Mammographie nur schwer vergleichen. Wir gehen davon aus, dass die direkten Schäden (häufige leichte und seltene schwere) durch die Kontrastmittel schwerer wiegen als die Strahlenschäden durch die Mammographie (das Bundesamt für Strahlenschutz gibt an, dass von 10.000 Frauen, die über 20 Jahre am Mammographie-Screening teilnehmen, aufgrund der Strahlenbelastung eine bis zehn Frauen zusätzlich Brustkrebs bekommen). Ob die MRT mehr Überdiagnosen erzeugen würde als die Mammographie, können wir nicht beurteilen. Insgesamt sehen wir also auch für dieses Szenario eher Hinweise auf Schäden.

Insgesamt sehen wir demnach Hinweise auf Schäden der MRT der Brust zur Krebsfrüherkennung.

Fazit

Wir bewerten die IGeL „MRT der Brust zur Krebsfrüherkennung“ mit „tendenziell negativ“. Diese Bewertung gilt für Frauen ab 40 Jahren, die kein besonders erhöhtes Brustkrebs-Risiko haben. Die Studienlage ist sehr unbefriedigend, da es keine Screening-Studien zur MRT der Brust gibt. Solche Studien sind wegen des enormen Aufwands auf absehbare Zeit auch nicht zu erwarten. Wir sehen also keine Hinweise auf einen Nutzen. Da man zu Schäden auch andere Quellen als Screening-Studien heranziehen kann, lassen sich Aussagen zu möglichen Schäden treffen: In den beiden Szenarien – MRT als Ergänzung sowie als Alternative zur Mammographie – kann die MRT zu direkten Schäden durch Kontrastmittel führen, die unserer Ansicht nach schwerer wiegen als die Strahlenschäden durch die Mammographie. Indirekte Schäden durch Überdiagnosen und Übertherapien sind dann zu erwarten, wenn die MRT ergänzend zum Mammographie-Screening-Programm eingesetzt wird. Ob das auch für die MRT alternativ zur Mammographie gilt, können wir nicht beurteilen. Insgesamt werten wir dies als Hinweise auf Schäden. 

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Erstellt am: 03.05.2018
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MRT der Brust zur Krebsfrüherkennung

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Allgemeine Informationen zu dieser IGeL

  • Eine von acht Frauen bekommt in ihrem Leben Brustkrebs. Jede fünfte Frau, die an Brustkrebs erkrankt, stirbt daran.
  • Im Jahr 2009 wurde in Deutschland das qualitätskontrollierte Mammographie-Programm eingeführt.
  • Zur Früherkennung von Brustkrebs wird als IGeL auch die Magnetresonanztomographie (MRT, auch „Kernspin“) angeboten, entweder ergänzend oder alternativ zum Mammographie-Programm.
  • Kosten: in der Regel 230 und 600 Euro.
  • Das bezahlen die Krankenkassen (GKV): ab 30 jährliches Abtasten bei Frauenarzt, zwischen 50 und 69 zweijährliche Mammographie in speziellen Screening-Einrichtungen.

Was sagt der IGeL-Monitor über den Nutzen?

  • Es wurden keine Studien zum Nutzen gefunden.
  • Man weiß also nicht, ob sich im Vergleich zur alleinigen Mammographie mehr Brustkrebs-Todesfälle verhindern lassen.
  • Wir sehen keine Hinweise auf einen Nutzen.

Was sagt der IGeL-Monitor über den Schaden?

  • Schäden können durch Kontrastmittel entstehen, die bei der MRT das Brustgewebe besser sichtbar machen sollen.
  • Wir gewichten diese Schäden stärker als mögliche Schäden durch Röntgenstrahlen bei der Mammogrpahie.
  • Hinweise auf Schäden sehen wir sowohl dann, wenn die MRT ergänzend zur Mammographie, als auch dann, wenn sie statt der Mammographie eingesetzt wird.

Was meint der IGeL-Monitor?

  • Unsere Bewertung lautet „tendenziell negativ“.
  • Wir fanden keine Studien zur MRT als Früherkennungsuntersuchung für Brustkrebs. Mögliche Schäden durch Kontrastmittel geben den Ausschlag.

Woher weiß der IGeL-Monitor das?

  • Analyse der internationalen Forschungsliteratur durch Wissenschaftler des IGeL-Monitors.
  • Wichtigste Quellen: keine
  • Detaillierte Informationen zur Analyse unter www.igel-monitor.de.

Was ist der IGeL-Monitor?

  • Wissenschaftler analysieren Nutzen und Schaden von IGeL („Selbstzahlerleistungen“), damit Versicherte sich informieren können.
  • Träger: MDS (Medizinischer Dienst des GKV-Spitzenverbandes).

Erstellt am: 03.05.2018
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positiv: Unserer Ansicht nach wiegt der Nutzen der IGeL deutlich schwerer als ihr Schaden

tendenziell positiv: Unserer Ansicht nach wiegt der Nutzen der IGeL geringfügig schwerer als ihr Schaden

unklar: Unserer Ansicht nach sind Nutzen und Schaden der IGeL ausgewogen, oder wir finden keine ausreichenden Daten, um Nutzen und Schaden zu beurteilen

tendenziell negativ: Unserer Ansicht nach wiegt der Schaden der IGeL geringfügig schwerer als ihr Nutzen

negativ: Unserer Ansicht nach wiegt der Schaden der IGeL deutlich schwerer als ihr Nutzen

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