Operative Behandlung des Schnarchens (Rhonchopathie)

Schnarchen ist vor allem für die Partner ein Problem. Was bringt eine OP?

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Verfahren

Operation 

Kosten

Zwischen 200 und 1000 Euro

GKV-Leistung

Diagnose und Therapie des Schlafapnoe-Syndroms

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Die operative Behandlung des Schnarchens bewerten wir als „tendenziell negativ“.

Wer so stark schnarcht, dass sein Atem im Schlaf öfter still steht, bekommt die Behandlung von der Krankenkasse bezahlt. Wer jedoch schnarcht, ohne dass seine Gesundheit darunter leidet, muss für eine Behandlung selbst aufkommen. Zur Behandlung dieses nicht krankhaften Schnarchens werden verschiedene Operationen angeboten, bei denen weiches Gewebe im Rachenraum entfernt oder gestrafft wird.

Kurz nach einer operativen Behandlung berichten Bettpartner, dass sich das Schnarchen gebessert hat und auch, dass das Schnarchen für längere Zeit nicht mehr so laut ist. Diese Ergebnisse stammen jedoch aus zwei Studien, die methodisch schwach sind. Dagegen zeigen Studien deutlich, dass die Operationen häufige, aber wenig gravierende Nebenwirkungen haben können. Eine Suche nach neuen Studien im Oktober 2014 brachte keine neuen Erkenntnisse, so dass es bei der Bewertung bleibt.

Erstellt am: 11.01.2012
Letzte Aktualisierung: 18.12.2014

Bild: Production Perig/Fotolia

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IGeL

Bis vor wenigen Jahren galt das Schnarchen (Rhonchopathie) nicht als Krankheit. Heute unterscheidet man dagegen zwei Formen: das medizinisch unbedenkliche primäre oder habituelle Schnarchen, das nach wie vor nicht als Krankheit angesehen wird, und das Schlafapnoe-Syndrom, das dagegen die Gesundheit ernsthaft gefährden kann. Während Diagnose und Therapie des Schlafapnoe-Syndroms GKV-Leistungen sind, muss die Therapie des primären Schnarchens selbst bezahlt werden. Als IGeL werden nicht nur ausführliche Diagnosemethoden, sondern auch operative Straffungen des Gaumens angeboten. Die üblichen Operationsmethoden sind die Uvulopharyngoplastik mit Skalpell (UPP) oder mit Laser (LAUP), die Uvulopalatopharyngoplastik (UPPP), die Radiofrequenz-Volumenreduktion (RFA) und das Implantieren kleiner synthetischer Fasern. Die Kosten liegen in der Regel jeweils zwischen 200 und 1000 Euro.

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Gesundheitsproblem

Schnarchen entsteht, wenn der Rachenraum zu eng ist und der Luftstrom die Weichteile im Rachen vibrieren lässt. Der Rachenraum ist entweder von Natur aus zu eng, oder er wird es durch schlaffe oder dicke Zäpfchen, Mandeln oder Gaumen. Zum Schnarchen neigt außerdem, wer durch die Nase schlecht Luft bekommt, wer übergewichtig ist, Alkohol trinkt, raucht oder Schlaftabletten nimmt. Ältere Menschen schnarchen häufiger als jüngere, im mittleren Lebensalter Männer häufiger als Frauen.

Das primäre Schnarchen kann andere zwar extrem stören, ist für den Schnarcher selbst aber nicht gefährlich. Beim Schlafapnoe-Syndrom dagegen setzt mehrmals in der Nacht die Atmung aus. Patienten können dann unter gestörtem Schlaf, Abgeschlagenheit am Tag und Bluthochdruck leiden.

Wer etwas gegen sein Schnarchen tun möchte, sollte zunächst seine Lebensgewohntheiten ändern, das heißt, weniger essen, trinken und rauchen. Medikamente, Tees oder andere alternativmedizinische Präparate sind wenig hilfreich, Weckapparate stören den Schlaf noch zusätzlich. Als nützlich gelten dagegen verschiedene mechanische Hilfen: Sie reichen von Spezialwesten, die ein Schlafen auf dem Rücken verhindern, bis hin zu diversen Gaumenstützen. Eine Lösung bei nicht krankhaftem Schnarchen können auch getrennte Schlafzimmer sein.

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Methode

Neben diesen einfachen Methoden werden auch Operationen oder Laserbehandlungen angeboten, die Gewebe im Gaumenbereich entfernen, straffen oder vernarben. Auch die Entfernung der Mandeln zählt zu diesen Operationen. Oft werden Methoden kombiniert.

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Empfehlungen anderer

Lediglich die wissenschaftlich nicht ausreichend gesicherte S1-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Schnarchens des Erwachsenen“ der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie geht auf die operative Behandlung des primären Schnarchens ein. Die S3-Leitlinie „Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen“ der Deutschen Gesellschaft fu?r Schlafforschung und Schlafmedizin erwähnt Schnarchen nicht als eigenständige Schlafstörung, sondern nur als eines von mehreren Symptomen der aufgeführten Krankheiten.

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Bewertung

Wirkung

Bei einer operativen Behandlung des Schnarchens wird Gewebe in einer Operation mit Skalpell oder Laser entfernt. Auch können kleine synthetische Fasern in den Gaumen implantiert werden. Dadurch wird das Gaumengewebe gestrafft.

Nutzen

Eine operative Behandlung des Schnarchens wäre nützlich, wenn der Patient weniger und leiser schnarchen würde.

Fünf gefundene Übersichtsarbeiten haben Studien zu Nutzen und Schaden verschiedener Methoden zur operativen Behandlung der Rhonchopathie ausgewertet. Nur zwei der Studien zeigen, dass das Schnarchen nach dem subjektiven Eindruck der Bettpartners kurzfristig nachlässt sowie die objektiv gemessene Schnarchintensität auch längerfristig abnimmt. Diese Studien sind jedoch nur von eingeschränkter methodischer Qualität. Die anderen Studien sind gar nicht aussagekräftig. Über langfristige Effekte wurden keine fundierten Aussagen gemacht.

Insgesamt sehen wir keine Belege, sondern lediglich Hinweise auf einen geringen Nutzen.

Schaden

Eine operative Behandlung des Schnarchens wäre schädlich, wenn sie Nebenwirkungen hätte und die Lebensqualität der Patienten beeinträchtigen würde.

Als Nebenwirkungen werden unter anderen Schmerzen, Probleme beim Schlucken oder Veränderungen der Stimme berichtet. Ingesamt stufen die Übersichtsarbeiten die möglichen Schäden als wenig gravierend, aber häufig ein. Wir werten die Schäden daher als gering. Da die Studien konsistent über die Schäden berichten, werten wir die Ergebnisse nicht nur als Hinweise, sondern als Belege.

Fazit

Eine operative Behandlung des Schnarchens bewerten wir als „tendenziell negativ“: Es wurden lediglich zwei Studien von geringer methodischer Qualität gefunden, deren Ergebnisse eine signifikante Verbesserung des Schnarchens zeigen. Daher leiten wir insgesamt Hinweise auf einen geringen Nutzen ab. Nebenwirkungen der Operationen, die insgesamt wenig gravierend sind, werden in allen Studien beschrieben, was wir als Belege für geringe Schäden ansehen. Eine Suche nach neuen Studien im Oktober 2014 brachte keine neuen Erkenntnisse, so dass es bei der Bewertung bleibt.

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Erstellt am: 11.01.2012
Letzte Aktualisierung: 18.12.2014

Bild: Production Perig/Fotolia

Merkblatt für das Praxisgespräch

Operative Behandlung des Schnarchens (Rhonchopathie)

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Allgemeine Informationen zu dieser IGeL

  • Schnarchen (Rhonchopathie) entsteht durch zu engen Rachen- oder Nasenraum. Medizinisch unbedenklich, aber Partner werden gestört.
  • Operationen mit Laser oder Skalpell, um Gewebe im Rachen zu straffen oder zu entfernen.
  • Kosten: 200 bis 1.000 Euro.
  • Das bezahlen die Krankenkassen (GKV): Diagnose und Therapie bei starkem Schnarchen mit Atemaussetzern (Schlafapnoe-Syndrom).

Was sagt der IGeL-Monitor über den Nutzen?

  • Ziel ist, das Schnarchen oder die Schnarch-Intensität zu reduzieren.
  • Zwei Studien, die einen Nutzen zeigen, sind nicht sehr aussagekräftig. Keine Angaben über langfristige Effekte.
  • Deshalb sehen wir keine Belege, aber Hinweise für einen Nutzen.

Was sagt der IGeL-Monitor über den Schaden?

  • Nebenwirkungen: Schmerzen, Probleme beim Schlucken, Veränderung der Stimme. Insgesamt wenig gravierend, aber häufig.
  • Leichte Schäden sind also möglich.

Was meint der IGeL-Monitor?

  • Unsere Bewertung lautet „tendenziell negativ“, da wir zwar Hinweise auf einen geringen Nutzen, aber Belege für geringe Schäden sehen.

Woher weiß der IGeL-Monitor das?

  • Analyse der internationalen Forschungsergebnisse durch das wissenschaftliche Team des IGeL-Monitors.
  • Wichtigste Quellen: Fünf Übersichtsarbeiten mit mehreren Studien bis zum Jahr 2013.
  • Detaillierte Informationen zur Analyse unter www.igel-monitor.de.

Was ist der IGeL-Monitor?

  • Der IGeL-Monitor analysiert Nutzen und Schaden von IGeL (auch „Selbstzahlerleistungen“), damit Versicherte sich informieren können.
  • Träger: MDS (Medizinischer Dienst des GKV-Spitzenverbandes)

Erstellt am: 11.01.2012
Letzte Aktualisierung: 18.12.2014

Bild: Production Perig/Fotolia

positiv: Unserer Ansicht nach wiegt der Nutzen der IGeL deutlich schwerer als ihr Schaden

tendenziell positiv: Unserer Ansicht nach wiegt der Nutzen der IGeL geringfügig schwerer als ihr Schaden

unklar: Unserer Ansicht nach sind Nutzen und Schaden der IGeL ausgewogen, oder wir finden keine ausreichenden Daten, um Nutzen und Schaden zu beurteilen

tendenziell negativ: Unserer Ansicht nach wiegt der Schaden der IGeL geringfügig schwerer als ihr Nutzen

negativ: Unserer Ansicht nach wiegt der Schaden der IGeL deutlich schwerer als ihr Nutzen

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