Keine Studien zur Lungenfunktionsprüfung gefunden

PRESSEMITTEILUNG DES MDS
Berlin/Essen, 16. Februar 2017

Die Spirometrie soll helfen, Lungenschäden frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Studien zu Nutzen und Schaden wurden jedoch keine gefunden. Der IGeL-Monitor bewertet das Verfahren bei Menschen ohne Atembeschwerden als „tendenziell negativ“.  

Die Studienlage ist denkbar unbefriedigend: Obwohl die Spirometrie zur Überprüfung der Lungenfunktion häufig als Vorsorge-IGeL angeboten wird, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IGeL-Monitors keine Studien gefunden, die Nutzen und Schaden der Leistung untersucht haben. Für einen Nutzen gibt es keine Hinweise. Schäden – zum Beispiel durch Übertherapien – sind dagegen bei Früherkennungsuntersuchungen grundsätzlich möglich.

Zwei der häufigsten Lungenerkrankungen sind Asthma bronchiale und die so genannte chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). Bei beiden Krankheiten sind die Atemwege verengt und Betroffenen fällt das Atmen schwer. Die Krankheiten unterscheiden sich darin, wie sie entstehen und weiter verlaufen: Während Asthma bronchiale ganz verschiedene Ursachen haben kann, geht die COPD meist auf Rauchen oder andere Schadstoffe in der Luft zurück. So wird die COPD umgangssprachlich auch „Raucherlunge“ genannt. Während bei Asthma die Schäden an der Lunge wieder zurückgehen können, bleiben sie bei der COPD meist bestehen.

Ein charakteristisches Merkmal der beiden Krankheiten ist, dass betroffene Menschen nicht mehr so schnell ausatmen können. Das lässt sich relativ einfach mit der sogenannten Spirometrie messen. Dafür muss die Patientin oder der Patient in ein Gerät hineinpusten. An der Luftmenge, die in einer Sekunde ausgeatmet werden kann, lässt sich dann ablesen, ob die Lunge geschädigt ist.

Geht jemand wegen Atembeschwerden zur Ärztin oder zum Arzt, kann die Spirometrie Kassenleistung sein. Für Menschen ohne Atembeschwerden wird die Untersuchung als IGeL angeboten, oft unter der Bezeichnung „Lungencheck“ oder „Lungenfunktions-Check“. Wer also nur wissen möchte, ob mit seiner Lunge „alles in Ordnung“ ist, muss die Spirometrie selbst bezahlen. Eine Untersuchung kostet in der Regel zwischen 25 und 50 Euro.

Der IGeL-Monitor hat vier internationale, hochwertige Leitlinien von medizinischen Fachgesellschaften gefunden, die sich zur Spirometrie äußern. Alle vier empfehlen die Spirometrie nicht zur Früherkennung oder raten sogar ab. Das wissenschaftliche Team des IGeL-Monitors fand zwei Übersichtsarbeiten zur Spirometrie zwecks Früherkennung. Die Autorinnen und Autoren der Übersichtsarbeiten hatten jedoch vergeblich nach entsprechenden hochwertigen Einzelstudien gesucht. Es wurde also offenbar noch nicht untersucht, ob die Spirometrie für Menschen ohne Atembeschwerden nützlich ist.

Sie argumentieren, dass ein Nutzen auch nicht zu erwarten ist. Der Grund: Solange Menschen keine Beschwerden haben, würde die Spirometrie meist nur milde oder nur wenig gravierende Lungenerkrankung erkennen. Diese dann beispielsweise mit Medikamenten zu behandeln, ist jedoch wenig effektiv. Die einzige wirklich nützliche Maßnahme ist ein Rauchstopp. Dass Raucherinnen und Raucher besser auf Zigaretten verzichten sollten, wissen sie aber auch ohne Untersuchung. 

Früherkennungsuntersuchungen können dagegen immer schaden. Die meisten Krankheiten können im Frühstadium schließlich auch wieder abebben oder stagnieren, also unbemerkt bleiben. Findet man so eine Krankheit in einer Früherkennungsuntersuchung, wird man sie in der Folge kontrollieren und oft auch behandeln. Diese Kontrollen und Behandlungen wären aber gar nicht nötig gewesen. So verhält es sich auch bei der Spirometrie. Sie erkennt höchstwahrscheinlich auch Lungenerkrankungen im Frühstadium, die zeitlebens nicht aufgefallen wären. Wie viele das sind, lässt sich jedoch nicht sagen.  

Rauchende sorgen sich zu Recht um ihre Lungenfunktion. Aus medizinischer Sicht ist es immer höchste Zeit, mit dem Rauchen aufzuhören – ganz unabhängig vom Ergebnis einer Spirometrie.

Hintergrund:
Unter www.igel-monitor.de erhalten Versicherte evidenzbasierte Bewertungen zu sogenannten "Selbstzahlerleistungen". Entwickelt wurde die nicht-kommerzielle Internetplattform vom Medizinischen Dienst des GKV-Spitzenverbandes (MDS). Der MDS berät den GKV-Spitzenverband in allen medizinischen und pflegerischen Fragen, die diesem qua Gesetz zugewiesen sind. Er koordiniert und fördert die Durchführung der Aufgaben und die Zusammenarbeit der Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) auf Landesebene in medizinischen und organisatorischen Fragen. 

Die IGeL „Spirometrie zur Überprüfung der Lungenfunktion“ ist die 40. Leistung, die der IGeL-Monitor inzwischen bewertet hat. Bislang gab es folgende Bewertungen:

  • positiv 0
  • tendenziell positiv 3
  • unklar 15
  • tendenziell negativ 16
  • negativ 4
  • in Überarbeitung 2

Vier weitere IGeL wurden nicht bewertet, sondern nur besprochen. 

Zur Bewertung der IGeL „Spirometrie zur Überprüfung der Lungenfunktion“ im IGeL-Monitor

Pressekontakt:
IGeL-Monitor
Dr. Christian Weymayr
Tel.: 01577 6811061
E-Mail: presse@igel-monitor.de

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