Osteopathie kann in Studien nicht überzeugen

PRESSEMITTEILUNG DES MDS
Essen, 03. Mai 2018

Fast jeder Mensch hat irgendwann in seinem Leben Kreuzschmerzen. Meist lässt sich die Ursache nicht feststellen. Zur Behandlung werden neben zahlreichen Kassenleistungen auch viele Individuelle Gesundheitsleistungen, kurz IGeL, angeboten. Mit der Osteopathie beispielsweise wollen Therapeuten mit ihren Händen Spannungen lösen und so die Schmerzen lindern. Studien zeigen jedoch keinen überzeugenden Nutzen. Da auch Schäden nicht zu erwarten sind, lautet die Bewertung „unklar“.

Kreuzschmerzen sind ein wahres Volksleiden. Sie sind der häufigste Grund für Fehlzeiten bei der Arbeit. Zur Behandlung wird als IGeL häufig die Osteopathie angeboten. In Ihrer aktuellen Bewertung kommen Wissenschaftler des IGeL-Monitors nun zu dem Schluss, dass die Ergebnisse aus Studien nicht ausreichend überzeugend sind, um von Hinweisen auf einen Nutzen sprechen zu können. Ein Schadenspotenzial können sie auch nicht erkennen. Die Bewertung lautet deshalb „unklar“.

Meist sind Kreuzschmerzen unspezifisch, das heißt, man findet keine körperlichen Ursachen. Akute Kreuzschmerzen dauern bis zu sechs Wochen, chronische Kreuzschmerzen länger als drei Monate. Viele Maßnahmen zur Diagnose und Therapie von Kreuzschmerzen werden von den Kassen übernommen, zum Beispiel auch Physiotherapie. Die Osteopathie dagegen ist keine Kassenleistung, sie wird aber von sehr vielen Krankenkassen freiwillig bezuschusst oder bezahlt. Meist werden mehrere Behandlungen angeboten. Eine einzelne Behandlung kostet in der Regel zwischen 70 und 145 Euro.

Laut „IGeL-Report 2018“, einer Versicherten-Befragung des MDS/IGeL-Monitor, steht die Osteopathie bei Schmerzen der Häufigkeit nach an 16. Stelle aller ärztlichen IGeL. Die Osteopathie ist eine alternativmedizinische Heilkunde, die im 19. Jahrhundert von dem US-amerikanischen Arzt Dr. Andrew Taylor Still erfunden wurde. Osteopathinnen und Osteopathen versuchen, mit ihren Händen „Bewegungseinschränkung im Gewebe aufzuspüren, diese zu beseitigen und dann den Körper mit einer verbesserten inneren Beweglichkeit sich bei der eigenen Heilung selbst zu überlassen“, wie die Bundesvertretung der Osteopathen in Deutschland schreibt.

Wissenschaftler des IGeL-Monitors wollten herausfinden, was man über Nutzen und Schaden der Osteopathie bei unspezifischen Kreuzschmerzen weiß. Sie fanden zehn Studien, die sie für ihre Analyse verwenden konnten. Eine Studie war besser und größer als die anderen. Laut dieser Studie haben einige Patienten dank Osteopathie weniger Schmerzen und sie konnten sich besser bewegen. Die Studie konnte aber nicht zeigen, dass die Lebensqualität der Patienten steigt oder es weniger Fehltage bei der Arbeit gibt. Die beiden wichtigen Fragen, ob die Osteopathie hilfreicher als die von den Kassen bezahlten Behandlungen ist, oder ob sie zusätzlich zu den Kassen-Behandlungen Vorteile bringt, kann von den Studien nicht beantwortet werden. Alles in allem sehen die Wissenschaftler des IGeL-Monitors deshalb keine ausreichenden Hinweise auf einen Nutzen der Osteopathie. Schäden sehen sie aber auch keine.

Fundierte und aktuelle Informationen zum Thema Kreuzschmerzen bietet eine Leitlinie von 2017. Sie formuliert Handlungsempfehlungen für Ärztinnen und Ärzten. In dieser Leitlinie wird von vielen Untersuchungen und Behandlungen bei Kreuzschmerzen abgeraten, von der Osteopathie aber nicht. Die Leitlinie gibt es auch in einer allgemeinverständlichen, sehr empfehlenswerten Fassung für Patienten.

Hintergrund:

Unter www.igel-monitor.de erhalten Versicherte evidenzbasierte Bewertungen zu sogenannten Selbstzahlerleistungen. Entwickelt wurde die nicht-kommerzielle Internetplattform vom Medizinischen Dienst des GKV-Spitzenverbandes (MDS). Der MDS berät den GKV-Spitzenverband in allen medizinischen und pflegerischen Fragen, die diesem qua Gesetz zugewiesen sind. Er koordiniert und fördert die Durchführung der Aufgaben und die Zusammenarbeit der Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) auf Landesebene in medizinischen und organisatorischen Fragen. 

Die IGeL „Osteopathie bei unspezifischen Kreuzschmerzen“ ist die 48. Leistung, die der IGeL-Monitor inzwischen bewertet hat. Bislang gab es folgende Bewertungen:

positiv   0
tendenziell positiv   3
unklar   20
tendenziell negativ   20
negativ   4
in Überarbeitung   1

Vier weitere IGeL wurden nicht bewertet, sondern nur besprochen.

Zur Bewertung: Osteopathie bei unspezifischen Kreuzschmerzen  

Pressekontakt:

IGeL-Monitor 
Dr. Christian Weymayr 
Tel.: 01577 6811061 
E-Mail: c.weymayr@igel-monitor.de

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