Toxoplasmose-Test bei Schwangeren: Nutzen unklar

PRESSEMITTEILUNG DES MDS Essen, 04. Oktober 2021

Das Team des IGeL-Monitors hat den Toxoplasmose-Test bei Schwangeren mit „unklar“ bewertet. Es gibt keine Studien , die auf einen Nutzen für Mutter und Kind hindeuten. Bei dem Antikörpertest kann es zu falsch positiven und falsch negativen Ergebnissen sowie Überdiagnosen kommen, die unnötige Folgeuntersuchungen oder unnötige Behandlungen nach sich ziehen. Das werten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IGeL-Monitors als Anhaltspunkte für einen Schaden. Allerdings fand das IGeL-Team schwache Hinweise , dass bei einer Erstinfektion mit Toxoplasmose während der Schwangerschaft eine früh einsetzende medikamentöse Therapie die gesundheitlichen Folgen für das Baby abmildern kann.

Eine zurückliegende Infektion mit Toxoplasmose wirkt sich nicht auf die Schwangerschaft aus. Infiziert sich eine Frau aber während einer Schwangerschaft das erste Mal mit Toxoplasmose, besteht die Gefahr, dass der Erreger auf das Ungeborene übergeht. Das Risiko der Übertragung steigt mit zunehmender Schwangerschaftsdauer. Bezogen auf die gesundheitlichen Folgen für das Baby verhält es sich entgegengesetzt: Eine Infektion im ersten Drittel der Schwangerschaft kann das Ungeborene gesundheitlich schwer schädigen. Sie kann zum Beispiel zu Behinderungen führen oder dazu, dass die Mutter ihr Kind verliert.

Der Toxoplasmose-Antikörpertest soll erkennen, ob die Schwangere bereits eine Infektion hatte oder aktuell eine Infektion hat oder die Gefahr besteht, dass es unter der Schwangerschaft zu einer Erstinfektion kommen kann. Das Team des IGeL-Monitors wollte zum einen wissen, ob der Toxoplasmose-Antikörpertest bei Schwangeren ohne Verdacht auf eine Infektion und – bei positivem Test – die nachfolgende Behandlung wirklich verhindern können, dass es zu einer Übertragung des Erregers auf das Ungeborene und zu gesundheitlichen Folgen bei dem infizierten Baby kommt. Außerdem ging das IGeL-Monitor-Team der Frage nach, ob im Falle einer Erstinfektion eine medikamentöse Therapie die Übertragung des Erregers auf das Ungeborene verhindern, oder wenn es bereits infiziert ist, die gesundheitlichen Folgen bei dem Baby abmildern kann.

Die Toxoplasmose ist eine parasitäre Infektion. Rund die Hälfte aller erwachsenen Deutschen hat sich im Laufe ihres Lebens irgendwann einmal mit dem Erreger infiziert. In der Regel muss die Toxoplasmose nicht behandelt werden. Der Körper bildet Abwehrstoffe gegen den Erreger und die Menschen sind in der Folge lebenslang immun. Ausgelöst wird die Toxoplasmose durch den Parasiten Toxoplasma gondii. Infizierte Katzen scheiden ihn mit ihrem Kot aus. Er kommt außer in Katzenstreu auch in Gartenerde, rohem Fleisch und auf ungewaschenem Obst und Gemüse vor.

Zur Bewertung der IGeL „Toxoplasmose-Test bei Schwangeren“ im IGeL-Monitor

Hintergrund:

Unter www.igel-monitor.de erhalten Versicherte evidenzbasierte Bewertungen zu sogenannten Selbstzahlerleistungen. Entwickelt wurde die nicht-kommerzielle Internetplattform vom Medizinischen Dienst des GKV-Spitzenverbandes (MDS) .
Der MDS berät den GKV-Spitzenverband in allen medizinischen und pflegerischen Fragen, die diesem qua Gesetz zugewiesen sind. Er koordiniert und fördert die Durchführung der Aufgaben und die Zusammenarbeit der Medizinischen Dienste auf Landesebene in medizinischen und organisatorischen Fragen.

Die IGeL „Toxoplasmose-Test bei Schwangeren“ ist die 54. Leistung, die der IGeL-Monitor bewertet hat. Bislang gab es folgende Bewertungen:

  • positiv 0
  • tendenziell positiv 2
  • unklar 20
  • tendenziell negativ 25
  • negativ 4
  • Bewertungen ohne Fazit 3

Sechs weitere IGeL wurden nicht bewertet, sondern nur besprochen (z.B. Reise-Impfungen, Atteste oder Sportchecks).

Die IGeL-Bewertungen werden laufend erneuert und aktualisiert.

Pressekontakt:

Andreas Lange
Freier Journalist
Redakteur IGeL-Monitor

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E-Mail: presse@igel-monitor.de