Kunsttherapie bei psychischen Erkrankungen

Können Patienten mit psychischen Erkrankungen durch Malen und Werken wieder einen besseren Kontakt zur Umwelt finden?

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IGeL-Steckbrief
Arztgruppe Psychiatrie und Psychotherapie
Bereich Psyche
Anlass

Psychische Störung oder Erkrankung, Schizophrenie, Verhaltensauffälligkeiten

Verfahren

Künstlerisches Gestalten

Kosten

Einzelbehandlung: pro Sitzung zwischen 40 und 93 Euro; Gruppenbehandlung: pro Sitzung zwischen 20 und 46 Euro

GKV-Leistung

Diverse Maßnahmen der Arzneimittel- und Psychotherapie, sowie Ergotherapie

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Wir bewerten die Kunsttherapie bei psychischen Erkrankungen als „unklar“.

Eine Kunsttherapie soll Patienten mit psychischen Erkrankungen helfen, durch das Gestalten wieder einen besseren Kontakt zur Umwelt zu finden. Das Arbeiten mit Farben und Formen kann als begleitende Maßnahme etwa bei Schizophrenie eingesetzt werden. Die Kunsttherapie gehört jedoch nicht zum Pflichtkatalog der gesetzlichen Krankenkassen, sondern ist immer eine IGeL. Einzelne Elemente der Kunsttherapie können jedoch Bestandteil der Ergotherapie oder medizinischen Rehabilitation sein, die GKV-Leistung sind.

Die insgesamt schwache Studienlage lässt weder Hinweise auf einen Nutzen noch auf einen Schaden erkennen. Eine neue Studie, die bei einer Aktualisierung im Dezember 2014 gefunden wurde, ändert unsere Bewertung nicht.

Erstellt am: 16.01.2012
Letzte Aktualisierung: 17.03.2015

Bild: terrasprite/Thinkstock

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Arztgruppe Psychiatrie und Psychotherapie
Bereich Psyche
Anlass

Psychische Störung oder Erkrankung, Schizophrenie, Verhaltensauffälligkeiten

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Künstlerisches Gestalten

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Einzelbehandlung: pro Sitzung zwischen 40 und 93 Euro; Gruppenbehandlung: pro Sitzung zwischen 20 und 46 Euro

GKV-Leistung

Diverse Maßnahmen der Arzneimittel- und Psychotherapie, sowie Ergotherapie

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IGeL

Durch das Gestalten mit Farben und Formen will die Kunsttherapie Patienten mit psychischen Störungen und Krankheiten helfen, den Kontakt mit der Umwelt zu verbessern. Die Kunsttherapie gehört nicht zum Pflichtkatalog der gesetzlichen Krankenkassen, ist also immer eine IGeL. Jedoch können bestimmte handwerkliche oder gestalterische Methoden Bestandteil der Ergotherapie oder der medizinischen Rehabilitation sein, die im GKV-Leistungskatalog enthalten sind. Eine Einzelbehandlung kostet in der Regel pro Sitzung zwischen 40 und 93 Euro und eine Gruppenbehandlung zwischen 20 und 46 Euro.

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Gesundheitsproblem

Zu den psychischen Störungen, die mit Kunsttherapie behandelt werden, zählt beispielsweise die Schizophrenie. Der schizophrene Patient leidet an einer charakteristischen Störung der Wahrnehmung, des Denkens, der Ichfunktion, des Antriebs und anderem. Psychotische Schübe treten ebenso auf wie chronische Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Antriebsminderung und sozialer Rückzug. Etwa einer von einhundert Menschen erkrankt an Schizophrenie, vor allem zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr. Unfälle, Selbstmorde, aber auch Herzkreislauferkrankungen vermindern die Lebenserwartung schizophrener Patienten. Ursache der Schizophrenie ist offenbar eine Kombination neurobiologischer, psychologischer und sozialer Faktoren. Behandelt wird die Schizophrenie mit Antipsychotika, eventuell mit elektrischen oder magnetischen Hirnstimulierungen, mit Ergotherapie sowie mit psychotherapeutischen Verfahren, wie zum Beispiel einer Verhaltenstherapie. Auch andere Verfahren, wie etwa die Kunsttherapie, können ergänzend zum Einsatz kommen.

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Methode

Neben der Behandlung mit Medikamenten kommen in der Therapie psychischer Krankheiten wie der Schizophrenie und schwerer Lebenskrisen auch Verfahren aus dem Bereich der Psychotherapie zum Einsatz. Auch Therapieformen, die man unter dem Begriff „künstlerische Therapien“ (manchmal auch Kreativtherapien) zusammenfasst, werden angeboten, sind aber, abgesehen von den bereits erwähnten Ausnahmen, nicht im Pflichtkatalog der Krankenkassen enthalten. Dazu zählen neben der Kunsttherapie auch die Musik-, Tanz- und Theatertherapie. Eine Sonderform der Kunsttherapie ist die anthroposophische Kunsttherapie, die in das Gedankengebäude der anthroposophischen Medizin integriert ist.

Der Deutsche Fachverband für Kunst- und Gestaltungstherapie sieht den Zweck der Kunsttherapie darin, dass sie die „Fähigkeit des Menschen fördert, seine Umwelt unmittelbar über die Sinne wahrzunehmen und zu begreifen. Sie setzt an einem tiefen Grundbedürfnis des Menschen an, sich gestalterisch auszudrücken und mit sich und anderen in Kontakt zu treten.“ Durch Materialien und Medien der bildenden Kunst sollen innere Prozesse sichtbar gemacht werden. Für den Therapeuten sind sowohl der Gestaltungsprozess als auch das fertige Bild aufschlussreich. Eine neuere Form des Verfahrens ist die rezeptive Kunsttherapie, die allein durch das Betrachten von Kunst heilende Prozesse in Gang setzen soll. So gesehen kann bereits ein mit Kunstwerken bestücktes Wartezimmer einer Arztpraxis eine therapeutische Wirkung besitzen.

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Empfehlungen anderer

In einer S3-Leitlinie zur Schizophrenie sowie einer S3-Leitlinie zu posttraumatischen Belastungsstörungen wird die Kunsttherapie als Therapieform zwar erwähnt, aber nicht ausdrücklich empfohlen.

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Bewertung

Wirkung

Eine Kunsttherapie bei psychischen Erkrankungen soll, wie es in der Leitlinie zur Schizophrenie heißt, dem Patienten helfen, seinen Selbst- und Realitätsbezug wiederzugewinnen, seine Körper- und Raumwahrnehmung zu entwickeln sowie kognitive Funktionen, Autonomie und den Gefühlsausdruck zu verbessern.

Nutzen

Eine Kunsttherapie bei psychischen Erkrankungen wäre nützlich, wenn sie die Lebensqualität der Patienten verbessern und den Heilungsprozess unterstützen würde.

Zur Kunsttherapie wurden zwei Übersichtsarbeiten bei Schizophrenie, eine zu posttraumatischen Belastungsstörungen und eine zu diversen psychischen Erkrankungen und Verhaltensauffälligkeiten gefunden. Diese Übersichtsarbeiten werten insgesamt fünf prinzipiell hochwertigere Studien aus, die jedoch aufgrund diverser methodischer Mängel nur eingeschränkt aussagekräftig sind. Ein grundsätzlicher Mangel besteht darin, dass eine Kunsttherapie nur unzureichend gegen eine entsprechende Scheinbehandlung getestet werden kann, so dass eine objektive Nutzenbewertung kaum möglich ist. Wie aussagekräftig die Studien tatsächlich sind, spielt jedoch insofern keine Rolle, als es den Patienten in den noch am ehesten geeigneten Studien subjektiv mit Kunsttherapie nicht besser ging als ohne.

Wir sehen deshalb keine Hinweise auf einen Nutzen.

Schaden

Eine Kunsttherapie bei psychischen Erkrankungen wäre schädlich, wenn sie unerwünschte Wirkungen hätte oder die Lebensqualität der Patienten beeinträchtigen würde.

Die gefundenen Studien gehen nicht auf mögliche Schäden ein. Ein direktes oder indirektes Schadenspotenzial ist auch nicht zu erkennen.

Wir sehen deshalb keine Hinweise auf einen Schaden.

Fazit

Eine Kunsttherapie bei psychischen Erkrankungen bewerten wir als „unklar“: Die insgesamt schwache Studienlage gibt weder Hinweise auf einen Nutzen noch auf einen Schaden. Eine neue Studie, die bei einer Aktualisierung im Dezember 2014 gefunden wurde, ändert unsere Bewertung nicht.

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Erstellt am: 16.01.2012
Letzte Aktualisierung: 17.03.2015

Bild: terrasprite/Thinkstock

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Kunsttherapie bei psychischen Erkrankungen

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Allgemeine Informationen zu dieser IGeL

  • Angeboten bei psychischen Störungen oder Erkrankungen, etwa bei Schizophrenie.
  • Gestalten mit Farben und Formen.
  • Kosten: zwischen 20 und gut 90 Euro (Einzel- oder Gruppentherapie).
  • Das bezahlen die Krankenkassen (GKV): verschiedene Behandlungen mit Medikamenten, Psychotherapie oder Ergotherapie.

Was sagt der IGeL-Monitor über den Nutzen?

  • Mit Kunsttherapie sollen innere Prozesse sichtbar werden. Kranke können Gefühle ausdrücken und Körperwahrnehmung entwickeln.
  • Studien zeigen, dass es den Patienten mit der Therapie nicht besser geht als ohne.
  • Deshalb sehen wir keine Hinweise auf einen Nutzen.

Was sagt der IGeL-Monitor über den Schaden?

  • Die Studien gehen nicht auf mögliche Schäden ein. Es sind aber auch keine Schäden zu erwarten.
  • Deshalb sehen wir keine Hinweise auf einen Schaden.

Was meint der IGeL-Monitor?

  • Unsere Bewertung lautet „unklar“, da wir weder Hinweise auf einen Nutzen noch auf einen Schaden erkennen können.

Woher weiß der IGeL-Monitor das?

  • Analyse der internationalen Forschungsergebnisse durch das wissenschaftliche Team des IGeL-Monitors.
  • Wichtigste Quelle: Übersichtsarbeit (Maujean et al., 2014).
  • Detaillierte Informationen zur Analyse unter www.igel-monitor.de.

Was ist der IGeL-Monitor?

  • Der IGeL-Monitor analysiert Nutzen und Schaden von IGeL (auch „Selbstzahlerleistungen“), damit Versicherte sich informieren können.
  • Träger: MDS (Medizinischer Dienst des GKV-Spitzenverbandes)

Erstellt am: 16.01.2012
Letzte Aktualisierung: 17.03.2015

Bild: terrasprite/Thinkstock

positiv: Unserer Ansicht nach wiegt der Nutzen der IGeL deutlich schwerer als ihr Schaden

tendenziell positiv: Unserer Ansicht nach wiegt der Nutzen der IGeL geringfügig schwerer als ihr Schaden

unklar: Unserer Ansicht nach sind Nutzen und Schaden der IGeL ausgewogen, oder wir finden keine ausreichenden Daten, um Nutzen und Schaden zu beurteilen

tendenziell negativ: Unserer Ansicht nach wiegt der Schaden der IGeL geringfügig schwerer als ihr Nutzen

negativ: Unserer Ansicht nach wiegt der Schaden der IGeL deutlich schwerer als ihr Nutzen

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